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Interpol soll Polen helfen, 1600 SS-Verbrecher ausfindig zu machen. Drucken E-Mail
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  Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) sucht mit Hilfe der internationalen Polizeiorganisation Interpol nach ehemaligen SS-Tätern. Ein Sonderteam der Behörde habe eine Liste von 1600 Personen erstellt, die in ehemaligen deutschen Konzentrationslagern in Polen tätig waren und noch am Leben sein könnten, sagte IPN-Ermittler Robert Janicki am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Dies will die Behörde mit Hilfe von Interpol überprüfen und herausfinden, wo sie sich die Täter heute aufhalten. Es sei die letzte Möglichkeit, ehemalige NS-Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Janicki.

Das IPN leistet in Polen historische Aufklärung und hat speziell zu diesem Zweck eine Gruppe gebildet, zu der ein Staatsanwalt, ein Archivar und mehrere Historiker gehören. Bei ihren Recherchen haben sich die Ermittler vor allem die Geburtsdaten der NS-Verbrecher als Suchkriterium genommen und sich auf jüngere SS-Männer konzentriert, die heute als 90-Jährige noch am Leben sein könnten. Janicki. Das wären von 23.000 KZ-Mitarbeitern noch rund 1.600 SS-Leute, nicht nur Deutsche, sondern auch  Österreicher, Weißrussen, Ukrainer oder Letten.

Ihre Adresse ausfindig zu machen, bedarf der Mitarbeit von Interpol. Laut Janicki sind Interpol bereits 650 Personendaten mitgeteilt worden, weitere folgen Zug und Zug. In Polen verjähren Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid nicht.

Im Bonner Nachkriegs-Deutschland stüplte sich ein dicker Nebel des Nichtwissens  über NS-Verbrechen. Dr. Globke, Jurist und engster Berater von Kanzler Adenauer, drehte die Weißwaschschleuder an und bereinigte das  von ihm verfaßte Nürnberger Rassegesetz. Minister Oberländer ließ Tausende Juden und Polen erschießen und beklagte später das Leid deutscher Vertriebenen.

Kanzler Kiesinger wurde von der deutsch-französischen Journalistin Beate Klarsfeld geohrfeigt für seine stramme Nazi-Vergangenheit – und dann auch noch Freiherr von Weizsäcker, von 1984 bis 1994 westdeutscher Bundespräsident, einst Sekretär von Nazi-Außenminister Rippentrop, 1946 verteidigte er seinen glühenden Nazi-Vater vor dem Nürnberger Kriegstribunal. Und irgendwann bestätigte er, direkt oder sonstwie am Attentat gegen Hitler mitgewirkt zu haben.

2015 stand der 93-Jährige Oskar Gröning in Lüneburg vor Gericht, angeklagt als „Buchhalter im KZ-Lager Auschwitz“. Ermordet  hat er niemand, räumte aber vor  Gericht ein, das seiner Erinnerung nach während seiner Zeit als KZ-Buchhalter wohl rund 300.000 Menschen vernichtet worden sind. Das habe er als Kriegsgefangener  in England ausgesagt.Vier Jahre Gefängnis lautete das Lüneburger Gericht. Sein Gnadengesuch wurde letztinstanzlich  vom Bundesverfassungsgerichtabgelehnt. Gröning wird im Knast sterben. Das erlebt er sicher länger als staatliche Altersbetreuung, witzelte so manche Presse.

Gröning  wäre  wohl vor Gericht als Globke, Oberländer, Kiesinger oder Weizsäcker schadlos davongekommen.

Quellen:dpa/APA/wikipedia/ds/22.01.2018
 
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