Home
Begriff "polnische Todeslager" wird strafbar (2) Drucken E-Mail
Ein neues polnisches Gesetz hat für heftige Verstimmungen zwischen Polen und Israel gesorgt. Die Bezeichnung "polnische Todeslager" für die NS-Konzentrationslager in Polen soll demnach künftig mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Israel warf der polnischen Regierung Holocaust-Leugnung und eine Verfälschung der Geschichte vor. Drückt sich Warschau vor unangenehmer Vergangenheitsbewältigung oder hat es die Pflicht, am eigenen Image zu arbeiten?

Warschau schiebt Debatte auf die lange Bank
Geschichtsaufarbeitung per Gesetz zu verbieten, wird auf Dauer nicht funktionieren, ermahnt die linksgerichtete Tageszeitung taz:

„Polen will verhindern, dass ein wissenschaftliches Thema öffentlich diskutiert wird: die polnische Kollaboration mit den Nazis. ... Große Debatten gab es in der Vergangenheit in Polen nur, wenn ein Wissenschaftler einen brillanten Essay hinlegte. So wie der Soziologe Jan Tomasz Gross mit seinem Essayband 'Nachbarn'. Zwei Jahre lang debattierte ganz Polen über das Pogrom in Jedwabne. Mit der 'Lex Gross' will Polens nationalpopulistische PiS-Regierung nun jede kritische Geschichtsaufarbeitung verhindern. Kurzfristig kann ihr das gelingen. Langfristig ist es eine Sackgasse.“

Polen muss an seinem Image feilen
Die polnische Regierung sollte weder Geld noch Mühe scheuen, das Ansehen des Landes im Ausland zu verbessern, fordert die nationalistische Tageszeitung  Gazeta Polska Codziennie:

„Wir sollten die öffentliche Meinung über unsere Geschichte und all das, was mit ihr zusammenhängt, hier an der Weichsel formen. Außerhalb Polens hat kaum jemand ein Interesse daran, positiv über uns zu schreiben. ... Es liegt an unserer Regierung, dafür zu sorgen, dass man uns hört. Und damit unsere Stimme im Ausland wahrgenommen wird, braucht man wirklich eine Menge Geld und die akribische Arbeit vieler Historiker und PR-Experten. Aber das lohnt sich wirklich.“

'Arbeit macht frei' ist eindeutig nicht Polnisch
Es gibt keinen vernünftigen Grund für das Gesetz, stellt Irlands liberale Tageszeitung Irish Examiner fest:

„Gehen wir einmal wohlwollend davon aus, dass dem Gesetz eine rationale Überlegung zugrunde liegen könnte. Diese wäre, dass einige Menschen glauben könnten, dass die Todesstätten von Polen errichtet wurden oder dass sie am Genozid zumindest beteiligt waren. Es ist schon so, dass es in allen von den Nazis besetzten Ländern in Europa Kollaborateure gab. Aber kann heute irgendjemand ernsthaft Zweifel haben, wer hinter diesen schrecklichen Einrichtungen stand? Die Hinweise sind klar und deutlich sichtbar: 'Arbeit macht frei' ist nicht Polnisch. Frage: Wie übersetzt man 'total übertriebene sprachliche Korrektheit' ins Polnische?“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/30.01.2018

 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.