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Nazi-Kunstraub: Sachsen gibt 138 Objekte an Polen zurück Drucken E-Mail
  Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) haben Polen 124 ethnografische Objekte und 14 historische Fotografien zurückgegeben. Damit sind nach 78 Jahren einige der letzten Teile der einst umfangreichen Sammlung des Museums für Archäologie und Ethnologie in Lodz zurückgekehrt. «Mit der Übergabe wollen wir ein kleines Stück des Unrechts wiedergutmachen, das Deutsche während der NS-Zeit in Polen verübt haben», erklärte Sachsens Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD).

Das Konvolut war 2017 im Zuge der Provenienzrecherchen von deutschen und polnischen Wissenschaftlern im Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig identifiziert worden.Die Sammlung ethnografischer Objekte war nach der Besetzung Polens aus dem von einem Deutschen geleiteten Lodzer Museum in das Leipziger Völkerkundemuseum gelangt. Große Teile waren später dann an Museen in Hamburg, Köln und Göttingen verkauft worden. 1967 wurden 300 Objekte aus Leipzig zurückgegeben, 330 Objekte aus Göttingen folgten 2016. Im Zuge dessen bat das polnische Kulturministerium das Grassi Museum in Leipzig zu prüfen, ob es dort noch Restbestände der Lodzer Sammlung gibt.

Mitteilung der Staatskanzlei zur Vorgeschichte:
„ Unmittelbar nach der Besetzung Polens wurde im heutigen Museum für Archäologie und Ethnologie mit dem Prähistoriker Walter Frenzel in Łódź ein deutscher Museumsleiter eingesetzt, der die Sammlung ethnographischer Objekte in das Völkerkundemuseum nach Leipzig verlagern ließ. Dessen Direktor Prof. Dr. Fritz Krause bot Objekte anderen Museen im Reichsgebiet zum Tausch an. 1942 erfolgte ein Ankauf in Höhe von 7.500 Reichsmark für das Leipziger Museum, das wiederum größere Teile der Sammlung an das Hamburger und das Kölner Völkerkundemuseum sowie an das Institut für Völkerkunde der Universität Göttingen weiter verkaufte. Die für das Rautenstrauch-Joest Museum in Köln bestimmte Sammlung wurde vermutlich in Leipzig bei einem Bombenangriff vernichtet. Nach Kriegsende erfolgte von dem Leipziger Museum die Meldung an die Sowjetische Militäradministration über die Sammlung aus Łódź, die im April 1949 noch einmal aktualisiert wurde. Zu einer Rückgabe kam es indes nicht. Erst am 21. Januar 1967 beschloss der DDR-Ministerrat die Rückgabe der Objekte. Mit dem „Protokoll der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und der Regierung der Volksrepublik Polen über die Rückgabe von ethnografischen Sammlungen“ vom 11. Mai 1967 wurde vereinbart, „Objekte der ethnografischen Sammlung, die während der faschistischen Okkupation aus dem Ethnografischen Museum in Lodz in das Museum für Völkerkunde in Leipzig verbracht wurden, zurückzugeben.“ Insgesamt umfasste diese Restitution 288 inventarisierte Objekte und 12 Einzelstücke ohne Inventarnummer. Durch Übergabe entsprechender Listen erfolgte auch eine Information über Weiterverkäufe nach Hamburg, Köln und Göttingen. Aus Anlass der Restitution von insgesamt 330 Objekten aus dem Institut für Völkerkunde der Georg-August-Universität Göttingen an das Museum in Łódź am 13. Juni 2016 hat das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen am 13. Juli 2016 das Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig um Prüfung gebeten, ob in dessen Bestand über die 1967 erfolgte Rückgabe hinaus weitere aus Łódź stammende Exponate zugeordnet werden können. Unterstützt von zwei polnischen Wissenschaftlerinnen identifizierte 2017 das heute unter dem Dach der SKD arbeitende Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig die nun übergebenen ethnografischen Objekte und ebenfalls wiederaufgefundene historische Fotografien als aus der Sammlung des Museums für Ethnografie Łódź stammend. Die Rückgabe der Sammlungsbestände aus dem Freistaat Sachsen an die Republik Polen geschieht auf der völkerrechtlichen Grundlage internationaler Gepflogenheiten, dass kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter an den Herkunftsstaat übergeben werden sollen. Die SKD handeln wie auch die Georg-August-Universität Göttingen dabei in Übereinstimmung mit den Zielen des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991.“

Der Verbund „Staatliche Kunstsammlungen Dresden" umfasst 15 Museen, die zu den bedeutendsten der Welt zählen. Zusammen mit vier Institutionen repräsentiert er eine thematische Vielfalt, die in ihrer Art international einzigartig ist.

Polnischen Schätzungen zufolge gelten noch über 63.000 nationale Kulturgüter als von Nazi-Deutschland geraubt. Via Internet läßt Polen weltweit danach suchen, prüft Auktionskatataloge und Angebote des internationalen Kunsthandels.

Über einen krassen Vorfall haben wir berichtet.

Quelle: Sächsische Staatskanzlei/polentoday.de/ds/10.07.2018
 
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