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Urheberrecht: Liegt das EU-Parlament richtig? Drucken E-Mail
Das EU-Parlament debattiert am Mittwoch erneut über eine Reform des Urheberrechts, das dem Internet-Zeitalter angepasst werden soll. Statt der umstrittenen Upload-Filter soll es nun Lizenzen für bestimmte Inhalte geben, die Plattformen wie Google News erwerben müssen, bevor sie diese online anbieten. Dass die Reform in der vorliegenden Fassung zielführend ist, ist nicht für alle ausgemacht.

Gazeta Wyborcza: Verlage noch stärker in die Pflicht nehmen
Der Europaabgeordnete Michał Boni (PO/EVP) warnt in der linksliberalen Tageszeitung davor, dass Artikel 13 der Urheberrechtsreform die Freiheit des Internets zu stark einschränkt:

„Ich bin dafür, dass das neue Urheberrecht eingeführt wird. Aber nur unter der Bedingung, dass es eine Einigung über den Artikel 13 gibt: Die Rechte der Autoren müssen mit den Rechten der Nutzer in Einklang gebracht werden. Sonst droht die Gefahr unkontrollierter Filterung und Löschung von Inhalten. Die Verantwortlichkeit von Internetportalen darf nicht größer sein - und so ist es in dem Entwurf vorgesehen - als die Pflichten der Verlage. Diese sollten von sich aus darüber informieren, für welchen Inhalt es eine Lizenz braucht und für welchen nicht. Auf diese Weise findet man im Europaparlament eine Mehrheit für die Autorenrechte - und nicht gegen uns, die Nutzer.“        
    
CORRIERE DELLA SERA: Demokratie braucht informierte Bürger

Die Kampagne der Internet-Lobby gegen die Reform des Urheberrechts basiert auf einer vorsätzlichen Verfälschung der Realität, wettert Italiens  liberal-konservative Tageszeitung:

„Die Kampagne ist nicht davor zurückgescheut, von einem Maulkorb zu sprechen. Ein Knebel für die Nutzer, die der Freiheit der Veröffentlichung von Inhalten im Netz beraubt würden. Mit der Folge, dass die öffentliche Debatte versiegen würde. Die Wahrheit ist, dass wir genau das umgekehrte Risiko eingehen. Die kontinuierliche Plünderung hochwertiger Inhalte macht die Produktion immer schwieriger und teurer. Dies zeigt sich am Sterben von Zeitungen jenseits des Atlantiks und in Europa. … Es bedarf nicht eines Jürgen Habermas, um zu begreifen, wie wichtig eine 'informierte öffentliche Debatte' ist. Sie ist die Basis der bewussten öffentlichen Meinung – und damit der Demokratie.“
  
Verslo žinios: Für die Zukunft der Medien stimmen
Auch Litauens liberale  Wirtschaftszeitung will die Richtlinie unbedingt unterstützt sehen:

„Die fake news über irgendwelche angeblichen zukünftigen Beschränkungen des Zugangs zu Informationen für normale Internetnutzer, die derzeit verbreitet und nicht schlecht finanziert werden, zeigen genau, was für eine Zukunft uns ohne unabhängige und untereinander konkurrierende Medien erwarten würde. Die Inhaltsenteignung, über die sich zurzeit die großen Internetunternehmen freuen, führt sicher zum Niedergang von Redaktionen und Verlagen. … Die Arbeit von Inhaltsschaffenden - Journalisten, Kommentatoren, Schriftstellern - muss vergütet werden. … Das Europäische Parlament wird über die Zukunftschancen der Medien abstimmen. Deswegen fordert Verslo žinios die von litauischen Bürgern delegierten Abgeordneten auf, ihre Stimmen für diese Zukunftsschancen abzugeben.“
   
Libération: Algorithmen können das Problem nicht lösen

Philosoph Eric Guichard und Informatiker Nicolas Schabanel halten die Reform in Frankreichs linksliberaaler Tageszeitung Libération für gefährlich:

„Wie setzt man ein solches Gesetz um? Mit gigantischen Algorithmen. Artikel 13 legt fest, dass die Serviceprovider in enger Zusammenarbeit mit den Inhabern der Urheberrechte Techniken zur Erkennung der Inhalte entwickeln werden. Nutzer, die nicht Facebook, Sacem oder anderen Autorenrechtsorganisationen angehören, werden zensiert und aus dem Web entfernt. ... Die Idee, dass Maschinen moralische Probleme (die mit Diebstahl und geistigem Eigentum zu tun haben) lösen könnten, zeigt vor allem, dass die Politik sich aus der Verantwortung stiehlt. Sie wälzt Fragen an diese Maschinen ab, die wir eigentlich gemeinsam demokratisch diskutieren müssten.“


Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/10.09.2010
 
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