Home arrow Panorama arrow Warum Klimaschutz so schwierig ist
Warum Klimaschutz so schwierig ist Drucken E-Mail
197 Staaten verhandeln auf der Weltklimakonferenz im polnischen Katowice darüber, wie sie den Klimawandel stoppen können, doch die Zeit scheint immer knapper zu werden. Laut Schätzungen des Global Carbon Project wird 2018 weltweit 2,7 Prozent mehr CO2 ausgestoßen als 2017 - das ist der größte Anstieg seit sieben Jahren. Welche Hürden müssen im Kampf gegen den Klimawandel überwunden werden?
 
Financial Times: Kampf gegen Klimawandel wird zum Kulturkrieg
Umweltschutzmaßnahmen treffen die schwächsten Bevölkerungsschichten am härtesten, warnt die wirtschaftsliberale Tageszeitung:

„Eine schlecht verwaltete Deindustrialisierung hat die Lebensweise ganzer Bevölkerungsgruppen im Westen stark in Mitleidenschaft gezogen, so wie einst auch der Niedergang des Bergbaus. Die nun nötigen Reformen im Kampf gegen den Klimawandel bedrohen die gleichen Gesellschaftsschichten erneut in sehr ähnlicher Weise, während gleichzeitig den Anliegen der urbanen Mittelklasse entsprochen wird. Wenn darüber hinaus die Forderungen der Wissenschaft eine unfaire Teilung der Lasten rechtfertigen, erliegt man schnell der Versuchung, das Expertentum zu verteufeln. So fügt sich der Interessenskonflikt beim Thema Klimawandel in einen bereits tobenden Kulturkrieg ein, der gemäßigte urbane Eliten von systemkritischen Populisten trennt. Er lässt diesen sogar weiter eskalieren.“

Mladina: Der Zeitpunkt für Veränderungen ist jetzt.
Die Klimafrage ist eine Frage der Generationengerechtigkeit, mahnt Sloweniens linksorientierte Tageszeitung:

„Auf globaler Ebene erreichen die CO2-Emissionen immer wieder neue Rekordwerte, doch gegen Klimamaßnahmen wächst der Widerstand. Dahinter steckt auch die Erkenntnis, dass es ohne Entsagungen nicht gehen wird. ... Deshalb stehen auf der Klimakonferenz in Katowice mehr als nur technische Fragen auf dem Spiel. Die Bedingungen für das Erreichen eines Abkommens stehen nicht gerade gut. ... Doch ein gerechter Übergang ist nur möglich, wenn die Interessen der kommenden Generationen und der Menschen, die bereits heute die Klimaveränderungen spüren, berücksichtigt werden. Der richtige Zeitpunkt für Veränderungen ist jetzt.“

Avvenire: Handeln ist billiger als Nichtstun
Die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien ist der einzige sinnvolle Kampf gegen den Klimawandel - und letztendlich auch der billigere, erläutert Italiens katholische  Tageszeitung:

„Der Bedarf an Investitionen bis 2050 muss auf 500 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt werden. Das ist natürlich eine gewichtige Zahl, doch sie muss mit der Verlustsumme verglichen werden, die durch Tatenlosigkeit zustande kommen würde. Verschiedenen Studien zufolge könnte der Klimawandel jährlich Schäden in Höhe von fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verursachen. Das macht nach heutigen Erkenntnissen 3.500 Milliarden Dollar pro Jahr - also siebenmal mehr als der für die Energiewende benötigte Betrag.“

The Irish Times: Wir vernachlässigen unseren evolutionären Vorteil
Obwohl die verheerenden Folgen des Klimawandels absehbar sind, steckt die Menschheit kollektiv den Kopf in den Sand, klagt Kolumnist Fintan O'Toole in der linksliberalen irischen Tageszeitung:

„Die Fähigkeit, Dinge vorauszusehen, hat es unserer Spezies ermöglicht, zu überleben und aufzublühen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind wir imstande, kognitive Landkarten, die zeigen, was in der Zukunft passieren könnte, zu erstellen und mit anderen zu teilen. Außerdem haben wir im Gegensatz zu anderen Arten die Fähigkeit, sehr lange zurückliegende Ereignisse aufzuzeichnen und damit wahrscheinliche künftige Folgen zu prognostizieren. Und doch handeln wir gemeinschaftlich so, als hätten wir diese einmalige Fähigkeit nie entwickelt. Das Leben in einer virtuellen Welt hat uns paradoxerweise noch engstirniger gemacht. Wir wollen nicht glauben, was wir nicht selbst erlebt haben.“

Nachtrag 7.12.2018

Diário de Notícias: Ein Kontinent der Heuchelei
Scharfe Kritik an der europäischen Klimapolitik kommt von fünf Europaabgeordneten in einem gemeinsamen Gastbeitrag in Portugals links-konservativer Tageszeitung:

„Der Preis für die größte Heuchelei geht an Emmanuel Macron: Während er zum 'Champion de la Terre' gekürt wurde, haben Frankreichs Treibhausgasemissionen neue Höchststände erreicht. ... Ein grünes Wachstum in der EU ist und bleibt eine Schimäre. Denn die umweltpolitischen Ambitionen stehen im Widerspruch zu den EU-Verträgen. Während der Haushaltsvertrag verhindert, dass Staaten einen Finanzierungsplan für den ökologischen Übergang entwickeln, erlaubt die europäische Architektur es Lobbyisten, ihre Präferenzen gegen die Umwelt durchzusetzen, wie die Fälle Glyphosat oder Monsanto Papers [interne Korrespondenz zu Glyphosat] gezeigt haben. Und Freihandelsabkommen wie Ceta verhindern zudem eine nachhaltige lokale Produktion.“

Krytyka Polityczna:
Sprache über Klima ist zu abstrakt   
Um den Klimaschutz in den Köpfen der Menschen zu verankern, müsse die Gesellschaft endlich beginnen, anders über Klimaerhitzung zu sprechen. Das fordert der britische Journalist Sunny Hundal in einem Beitrag in Krytyka Polityczna, der auch bei opendemocracy erschienen ist:

„Das Problem ist nicht die Wahl zwischen guten und schlechten Nachrichten oder zwischen Hoffnung und Angst. Wir erzählen Geschichten, die zu abstrakt sind und zu wenig mit dem Alltag der Menschen zu tun haben. ... Lasst uns doch versuchen, in Gesprächen mit Freunden und Familienmitgliedern an diese Punkte zu denken. Es wird unsere Einstellung ändern und die Menschen dazu ermutigen, viel schneller zu handeln. Aber jedes Gespräch muss mit etwas beginnen, das uns nahe steht und wichtig ist.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/06/07..12.2018
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2018 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.