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Nachgeblättert auf Polen today (2007): Polen ist eine Frau Drucken E-Mail
  Polen, das sich gern  seiner schönen Frauen wegen rühmt, ist jetzt auch erklärtermaßen als Nation eine Frau. Diese Feststellung verkündete am Montag Manuela Gretkowska (43) auf einer Pressekonferenz in Warschau. Sie ist die Initiatorin und Gründerin der ersten polnischen  Frauenpartei „Polska jest Kobieta“/ „Polen ist eine Frau“. Gretkowska ist nicht Irgendeine, sondern eine erfolgreiche, polarisierende und deshalb auch umstrittene Autorin, die in ihrem Landhaus bei Warschau lebt, wenn sie nicht gerade in ihrer Pariser Wohnung  oder auf ihrem Landsitz nahe Stockholm weilt. In ihren unkonventionellen Romanen und Essays räumt sie gern mit Althergebrachtem auf und beschreibt ohne Umschweife sexuelle Begierden.

Das hat ihr vor allem vom polnischen Klerus so manchen Vorwurf der Blasphemie und antipolnischer Denkweise beschert. Pauline Schulz, ihre deutsche Übersetzerin, kommt  zu diesem Urteil:  “ Manuela Gretkowska schreibt direkt und ironisch wie Sybille Berg, geistreich und witzig wie Umberto Eco in seinen Kolumnen, dekadent und erotisch wie Herve Guibert“.

Auf der Pressekonferenz überraschte sie mit der Bekanntgabe, dass schon über 500 lokale Vertretungen in 24 Regionen Polens aktiv sind und alles Mögliche unternehmen, damit Frauen nicht mehr diskriminiert werden. Um das zu erreichen, werde die Partei  bei den kommenden Wahlen in Polen antreten und auch für Sitze im Europaparlament kämpfen. Die Sprecher der etablierten Parteien sind sich ausnahmslos einmal einig in der gleichlautenden Vorhersage, dass eine Frauenpartei in Polen keinerlei Chancen habe. Dagegen kam das polnische Boulevardblatt DZIENNIK  in einer Blitzumfrage zu dem Ergebnis, dass rund 60 Prozent der befragten Frauen bei der kommenden Parlamentswahl ihr Kreuz der Frauenpartei geben werden.

Noch hält sich der erzkatholische Sender Radio Maryja mit Kommentaren bedeckt, aber lange wird es nicht dauern, denn  Gretkowska  liebt die klare, wenn nötig sarkastische Provokation – wie diese zur Kaczynski – Regierung: „Ich habe fünf Jahre in Schweden und fünf Jahre in Frankreich gelebt, in Ländern, in denen die Freiheit groß geschrieben wird und jetzt soll ich plötzlich wieder im Polen der 60er Jahre leben. Das ist ekelhaft - in jeder Hinsicht“.

Zu Papst J. P. II. lässt sie eine fiktive Sandra K. sagen:“ Warum quälen sie diesen Greis so? Und das noch an Weihnachten! Sie sollten ihm lieber seine Tiara abnehmen und ihm unter dem zitternden Kinn ein Lätzchen umbinden. Er hat so rosige Haut, eine Glatze, sitzt da und schnarcht. Ich wäre auch längst schon schlafen gegangen, nur kommt nach der Übertragung der Weihnachtsmesse ein Film mit Marilyn Monroe. Stille Nacht, mein kleines Päpstchen, la-li-lu, und der Mann im Mond... Jesses, was da für reiche Typen um den Altar herumstehen! Alle in schwarz, elegant “.

Sollte sich das Ergebnis der  DZIENNIK-Umfrage  langfristig bestätigen, kann sich die derzeit wacklige Regierungskoalition alles andere als einen vorgezogenen  Wahlgang wünschen. Jedes gewonnene Prozent für die Frauenpartei dürfte Leppers SO und Giertychs LPR an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern lassen.

Manuela Gretkowska könnte polnische Geschichte schreiben.

Quelle:DZIENNIK/Foto:youtube/ds/15.02.2007
 
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