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Danzigs Bürgermeister stirbt nach Messerattacke Drucken E-Mail
  Der Bürgermeister von Danzig, Paweł Adamowicz, ist am Montagnachmittag an seinen Verletzungen gestorben. Am Sonntag hatte ein Mann auf der Bühne einer Spendengala mehrmals mit einem Messer auf ihn eingestochen. Während nationalistische polnische Medien vor schnellen Urteilen warnen, werten andere Kommentatoren die Tat als Ergebnis des aggressiven politischen Klimas im Land.


 
wPolityce.pl: Das war kein politischer Mord
Der Tod Adamowiczs sollte nicht politisch ausgeschlachtet werden, fordert der Journalist Konrad Kołodziejski auf dem nationalistischen Onlineportal:

„Ich habe gelesen, dass die Sicherheitsfirma während der Spendenveranstaltung in Danzig den Ablauf der Veranstaltung nicht einmal kannte. ... Kurz gesagt, die Sicherheitsleute reagierten nicht, weil sie den Angreifer mit dem Messer in der Hand wahrscheinlich für einen Teil der Show hielten. Alle sagen, der Mord an Paweł Adamowicz sei das Ergebnis einer Hasswelle. Vielleicht ist das so, aber in dem Sinne, dass Hass die Verrückten zum Verbrechen treibt. Ich würde es vorziehen, wenn die Verrückten ihren Wahnsinn nicht ausleben könnten. Ich befürchte jedoch, dass jede tiefere Überlegung wieder einmal von politischen Emotionen und kontraproduktivem Lärm übertönt wird.“   

FR: Stich ins Herz der Demokratie
Der Hass des Täters kam nicht aus dem Nichts, gibt die linksliberale Frankfurter Tageszeitung zu bedenken:


„Verbale Hassattacken gehören in Polen noch viel stärker zum politischen Alltag als in vielen anderen westlichen Demokratien. Es ist deshalb keineswegs übertrieben zu behaupten, dass eine Schreckenstat wie der Mord von Danzig in einem solchen Umfeld niemanden wundern sollte. Das aber heißt auch, dass die Stiche nicht nur den ebenso beliebten wie engagierten Bürgermeister ins Herz getroffen haben, sondern auch die Demokratie als solche.“


La Republica: Gefährliche Zuspitzung der Debatte
Italiens Politiker sollten sich die Ereignisse in Polen zu Herzen nehmen, warnt der Experte für Geopolititk, Lucio Caracciolo, in Italiens linksliberaler Tagerszeitung:

„Die Ermordung von Adamowicz fordert uns auf, über den Zustand eines großen europäischen Landes nachzudenken, das sich in einer nationalistischen Spirale befindet. Das betrifft uns direkt. Noch nie zuvor waren sich Polen und Italien so nahe. Beide machen sich ein islamfeindliches Klima zunutze. ... Dies hat die führenden Politiker von Polen, Italien und Ungarn sogar veranlasst, eine Achse der Nationalisten zu errichten. ... Wenn die demokratische Debatte zu einem Kampf der Kulturen stilisiert wird, ist alles möglich. Sogar die heftige Entgleisung eines kranken Geistes, der empfindlich auf die Rhetorik der Verteufelung reagiert.“   


Echo24.cz: Versöhnung ist notwendig
Polens Politik braucht jetzt dringend Selbstreflexion, erklärt Tchechiens links-konservatives  Onlineportal:

„Die Spannungen zwischen der regierenden PiS und der oppositionellen Bürgerplattform sind in den vergangenen Monaten gewachsen. Der Anschlag lässt logischerweise Befürchtungen aufkommen, dass es zu ähnlichen Taten auch künftig kommen kann. ... Die polnische Demokratie ist auf das konservative Streben von PiS-Chef Jarosław Kaczyński nicht vorbereitet. Dessen radikale Reformen rufen ebenso radikalen Widerstand hervor. Anstelle normaler Diskussionen kommt es mehr und mehr zur Konfrontation. Der Anschlag von Danzig erinnert daran, wo eine solche Entwicklung enden kann. Trotz aller unterschiedlicher Interpretationen der Attacke müssen sich Liberale und Konservative in Selbstreflexion üben und fragen, wohin Polen geraten und ob eine Versöhnung möglich ist.“

FAZ: Schuld am Hass ist die PiS
Für die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigt sich selbst noch im Umgang mit dem Attentat, wie zerrissen das Land ist:

 „Die rechte Regierung hat sich angesichts des gewaltsamen Todes eines ihrer prominentesten Kritiker zwar korrekt verhalten; doch mit der Forderung, den Mord nicht zu politisieren, versucht sie gleichzeitig, eine nötige Debatte über die Grenzen politischer Rhetorik zu unterbinden. Politiker aller Lager neigen in Polen seit langem zur Verwendung von blutigen Metaphern und Beleidigungen - und alle täten gut daran, sich in diesem Moment selbst zu prüfen. Aber dafür, dass der Hass in den vergangenen Jahren in der Auseinandersetzung überhandgenommen hat, gibt es eindeutig eine schuldige Seite: die Rechte um die Regierungspartei PiS.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/15.01.2019 
 
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