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Zweiter HIV-Patient virenfrei - ein Durchbruch? Drucken E-Mail
Zum zweiten Mal ist es gelungen, einen HIV-Patienten von seinem Virus zu befreien. Dem krebskranken Mann wurden in London Stammzellen transplantiert, deren Spender gegen das HI-Virus resistent war. Drei Jahre später sind im Körper des Mannes keine Viren mehr nachweisbar. Vor Jahren war so eine Therapie bereits Ärzten in Berlin geglückt. Kommentatoren schwanken zwischen Euphorie und Skepsis.

La Stampa: Kein zufälliger GlückstrefferDies ist ein Meilenstein im Kampf gegen die Krankheit, kommentiert Medizinhistorikerin Eugenia Tognotti in Italiens liberaler Tagezeitung:

„Tatsächlich besteht große Hoffnung, dass Aids in nicht allzu ferner Zukunft nicht länger zu den 'unheilbaren' Krankheiten zählt. Die Replikation bei einem weiteren Kranken, dem so genannten 'Londoner Patienten', zeigt, dass es sich bei der Heilung im ersten Fall nicht um einen zufälligen Glückstreffer gehandelt hat, sondern dass diese wieder und wieder wiederholt werden kann. ... Für Millionen von HIV-positiven Menschen, die gezwungen sind, mit der Krankheit zu leben, sind die Ergebnisse dieser Forschung ein Hoffnungsschimmer. Und das ist nicht wenig für ein komplexes Syndrom wie das HIV-/Aids-Virus, das 40 Jahre nach seinem Auftreten in der Liste menschlicher Pathologien nach wie vor einen globalen Notfall darstellt.“

Polityka: Die Methode ist gefährlich und teuerVor zu viel Euphorie warnt Polens linksliberales Magazin:

„Der Patient aus London hatte Krebs. Die Medikamente erwiesen sich als unwirksam, daher war seine letzte Hoffnung eine Knochenmarktransplantation. Dies ist keine Behandlung, die auf die leichte Schulter genommen werden darf. Um eine Abstoßung zu vermeiden, muss der Empfänger Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. In seltenen Fällen kommt es dennoch zu einem Konflikt zwischen den Zellen des Spenders und des Empfängers. ... Die Behandlungsmethode ist sowohl kompliziert als auch teuer und gefährdet möglicherweise die Gesundheit und sogar das Leben des Patienten. Niemand möchte sie gerne bei infizierten Menschen einsetzen. Aber sie könnte Wissenschaftlern und Ärzten dabei helfen, neue Methoden zu entdecken und zu entwickeln, die HIV für immer besiegen.“

Süddeutsche Zeitung: Krankheiten gehören zum LebenNun sofort wieder die Hoffnung auf eine dauerhafte Heilung zu wecken, findet die linksliberale  Zeitung problematisch:

„Krankheit ist und bleibt ein Bestandteil der menschlichen Existenz. Man muss sie bekämpfen, so gut es geht, auf einem Niveau wie in den Industrieländern geht das heute meist nur in kleinen Schritten. Stets die ganz große Erwartung zu schüren dagegen vergrößert die Gefühle von Ohnmacht bei Kranken und Angehörigen. Nicht wenige vertrauen sich deshalb dubiosen Heilern oder Ärzten an. Statt in guter Behandlung ihre Chance auf mehr Zeit zu nutzen, sterben diese Patienten oft verfrüht. Es sollte daher mehr vom guten Leben mit der Krankheit gesprochen werden, weniger von der Heilung. Gerade die HIV-Patienten in den Industrienationen sind ein Beispiel dafür, was es bedeutet, mit einer Krankheit koexistieren zu können.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/06.03.2019
 
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