Home arrow Panorama arrow Krakauer Erzbischof fordert totales Abtreibungsverbot
Krakauer Erzbischof fordert totales Abtreibungsverbot Drucken E-Mail
  Polen hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa – doch dem Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski (Foto) genügt das nicht. Er fordert totales Abtreibungsverbot in Polen. Man könne mit dem jetzigen Gesetz nicht zufrieden sein, das jedes Jahr zu offiziell mehr als 1.000 Schwangerschaftsabbrüchen führe, sagte er im Privatsender TV Republika. Das fünfte Gebot laute eindeutig: Du sollst nicht töten.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Polen  nur erlaubt, wenn die Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft gefährdet ist, sie vergewaltigt wurde oder der Fötus missgebildet ist.

2017 hatte eine von der Kirche unterstützte Bürgerinitiative dem Parlament rund 800.000 Unterschriften für eine Ausweitung des bestehenden Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen auf missgebildete Föten überreicht.

Die nationalkonservative Regierungspartei PiS machte den Abtreibungsgegnern zunächst Hoffnungen auf eine Gesetzesverschärfung, ruderte dann aber angesichts einer Protestwelle von Frauenrechtlerinnen zurück. Wohl auch, weil nur etwa 30 PiS-Abegordnete hinter der Volksinitiative gestanden haben sollen.

107 Abgeordnete verschiedener Parteien beantragten ebenfalls 2017 eine Prüfung beim Verfassungsgericht, ob die Verfassung Abtreibungen von schwer geschädigten Föten erlaubt. Die Höchstrichter kamen diesem Auftrag aber bis zum Ende der Legislaturperiode des Parlaments im Oktober 2019 nicht nach; damit verfiel der Prüfauftrag. Die bekannte Abtreibungsgegnerin Kaja Godek warf daraufhin Verfassungsgerichtspräsidentin Julia Przylebska vor, "das Blut unschuldiger Kinder an ihren Händen" zu haben.

Mäßigende Worte fand indes Regierungschef Mateusz Morawiecki in einem Gespräch mit dem Kirchenblatt „Gosc Niedzielny“: Das jetzige Gesetz stelle zwar vielleicht nicht alle zufrieden, es gebe aber „keinen besseren“ Kompromiss.

Erstmals 1996 hatte sich die UNO gemeldet. Vorsichtigen Schätzungen zufolge verwies sie auf jährlich etwa 50.000 illegale  Schwangerschaftsabbrüche in  Polen. Seit dem EU-Beitritts Polens (2004) soll sich die Zahl auf jährlich rund 150.000 erhöht haben – in britischen, holländischen und deutschen Kliniken. Der Grund: Ärzte in Polen verweigern Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen -  und von den Kliniken werden monatelange Fristen in Aussicht gestellt.

Doch den 71-jährigen Erzbischof treibt eine weitere Sorge um: In einem Ende September veröffentlichen Hirtenbrief warnte er vor  einer "großen Bedrohung für unsere Freiheit". Ihr Ursprung sei ähnlich wie“ im Totalitarismus des 20. Jahrhunderts die radikale Ablehnung Gottes“.

Sein Glaubenskrieg richtet sich gegen  die „umgreifende  LGBT-Ideologie“.


Quellen:Radio Vatikan/KNA/ Gosc Niedzielny/ds/12.11.2019
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.