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Neue Einigkeit nach dem Nato-Treffen? Drucken E-Mail
Die USA mit Europa über Kreuz, Hirntod-Diagnosen und eine widerspenstige Türkei: Die Prognosen zu den Erfolgsaussichten des Nato-Gipfels diese Woche in London klangen zumeist ziemlich düster. Nun ist die Konferenz zu Ende - und das Hauptroblem ist nach Ansicht der Kommentatoren nicht mehr die innere Uneinigkeit.

wPolityce.pl: Europas Ostflanke wird gestärkt.
Das nationalistische Onlineportal freut sich über die Erfolge des Nato-Gipfels aus polnischer Sicht:

„Eine Bedrohung für die gemeinsame Politik der Nato war die Ankündigung des türkischen Präsidenten Erdoğan, ein Veto gegen einen Plan zur Stärkung der Ostflanke [Polen und die baltischen Staaten] einzulegen, wenn das Bündnis die an der türkisch-syrischen Grenze operierenden kurdischen Formationen nicht als terroristische Organisationen anerkennt. Letztendlich entschied sich Erdoğan nach Gesprächen mit den Präsidenten Duda und Trump, den Führern der baltischen Staaten sowie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gegen ein Veto. ... Hier ist mit Ankara sicherlich eine Einigung erzielt worden, deren Inhalt wir noch nicht kennen, die jedoch unabhängig von ihrem Inhalt für uns von Vorteil ist. Denn zum einen wird die Ostflanke planmäßig gestärkt, zum anderen findet keine weitere Auflösung der Nat0".

Haberturk: Türkei braucht die Anbindung an den Westen
Die regierungstreue Kolumnistin vom türkischen Onlineportal, Nagehan Alçı, bricht eine Lanze für die Nato:

„Das Foto, auf dem sich die vier Staatsführer [Macron, Johnson, Erdoğan und Merkel] im Anschluss an den Gipfel ablichten ließen, zeigt die Richtung, in die dieses Land gehen muss. Wir sollten uns nichts vormachen, so viele zu kritisierende Eigenschaften die westliche Welt auch hat: Es gibt außer ihr keinen anderen Anker für Rechtsstaatlichkeit und freiheitliche Demokratie. Selbstverständlich müssen wir, angefangen mit Russland, vielfältige Beziehungen ausbauen. Was die S-400 [russisches Raketenabwehrsystem] anbelangt, sind wir im Recht. Hätte man uns die Patriots [US-amerikanisches Raketenabwehrsystem] gegeben, wären wir nicht auf die S-400 angewiesen gewesen. Doch wir müssen als Teil des westlichen Bündnisses eine unabhängige Haltung einnehmen, und das werden wir auch tun.“

The Daily Telegraph: China als Bedrohung ernst nehmen. Es ist höchste Zeit, dass die Nato die zunehmende Bedrohung durch China wirklich ernst nimmt, meint die konservative britische Tageszeitung:

„Peking hat globale Ambitionen, und seine Reichweite und Schlagkraft sind weitaus größer als alles, was Russland aufbieten kann. In den vergangenen Jahren hat China die Nato-Staaten in mehrfacher Weise ins Visier genommen, etwa mit dem Diebstahl von Technologien, die militärisch wie zivil eingesetzt werden können, und von geistigem Eigentum. Dazu kommt Spionage im Cyberspace und im Bereich des Humankapitals. ... Die Verbündeten sind offenbar noch nicht bereit, China als potenziellen Gegner oder wenigstens als strategischen Konkurrenten zu bezeichnen. Die zunehmende Bedrohung durch Peking erfordert jedenfalls eine umfassende Reaktion.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/05.12.2019
 
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