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Polnische Altenpflegerinnen sehen sich als „moderne Sklaven“ Drucken E-Mail
  2.9 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland, 2050 werden es 4.5 Millionen sein, schätzt das Statististische Bundesamt. Nur 8 Prozent der Deutschen würden Umfragen zufolge freiwillig in ein Pflegeheim ziehen, so verheerend ist der Ruf der Einrichtungen. Hunderttausende Pflegekräfte fehlen. Der Verdienst ist zu niedrig: Bei  durchschnittlich 40stündigem Wocheneinsatz ergibt sich etwa ein Stundensatz von fünf Euro. Das bedeutet Armut im Rentenalter und keine Chance, bei  eigener Pflegebedürftigkeit in staatlichen Einrichtungen unterzukommen. Dies mutet eins der reichsten Länder der Welt seiner Bevölkerung zu. Noch schlimmer sieht es für polnische Pfleger*Innen aus.

Seit der EU-Osterweiterung werden Pflegekräfte angeworben. Die meisten kommen aus Polen: offiziell sind es derzeit rund 250.000 und Schätzungen zufolge weitere 250.000 „schwarz“ vermittelte Hilfskräfte. Sie alle fühlen sich behandelt wie „moderne Sklaven“, berichtet „Interia.pl“, eins der größten polnischen Internetportale.

Zwei polnische Juristinnen haben im Rahmen des Bundes-Projekts „Faire Mobilität“ ihre Erfahrungen publik gemacht. Von Fairnis kann schon lange nicht die Rede sein, weil die Bundesregierung keine Anstalten zeigt, die Geschehnisse am Markt zu kontrollieren.

Stattdessen bereichern sich längst deutsche wie auch polnische Agenturen am Vermittlungsgeschäft mit horrenden Gebührsätzen von durschnittlich 3.000 Euro/Person, so die Juristinnen.

Die vermittelte Pflegekraft komme bei 24stündigem Einsatz nur auf 1.000 bis 1.300 Euro Monatsverdienst. Brutto, d.h. nicht genug für ausreichende Rentenvorsorge und Null für Alterspflege.

Und es steht noch schlimmer für die Zukunft. Seit die Bundesregierung dem Nicht-EU-Land Ukraine Visa-Arbeitserlaubnis  eingeräumt hat, kann davon ausgegangen werden, das sich die Situation der polnischen Pflegekräfte nicht verbessern wird.

Quelle:Interia.pl/ds/07.12.2019
 
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