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Absolute Mehrheit für Johnson: Bye-bye, Europe? Drucken E-Mail
Bei den britischen Unterhauswahlen haben Boris Johnsons Konservative die absolute Mehrheit erreicht. Die Tories errangen nach vorläufigen Resultaten 363 der 600 Sitze, Labour nur 203. In Schottland und Nordirland erhielten Kräfte, die sich vom Königreich abspalten wollen, die meisten Stimmen. Die Medien diskutieren die Folgen für Großbritannien und für Europa.

De Telegraph:Freies Spiel für BoJo
Nun kann der Chef der Konservativen in den Brexit-Verhandlungen unabhängig von parteiinternen Rücksichtnahmen agieren, analysiert die rechte niederländische Tageszeitung:

„Premier Boris Johnson muss nun nicht mehr auf die härtesten Brexiteers in seiner Fraktion hören. ... Johnson hat nun den Spielraum, den er braucht, um die Verhandlungen über ein Handelsabkommen erfolgreich zu machen. Er versprach, dass diese vor Ende 2020 abgeschlossen sein sollen, aber jeder ist sich darüber im Klaren, dass das eine unmögliche Zielsetzung ist. Mit seinem eindeutigen Sieg hat Johnson nun allerdings die innerparteiliche Autorität, um seinen politischen Gegnern die Stirn zu bieten.“

The Independent: Bricht das Vereinigte Königreich auseinander?

Der Erfolg der Scottish National Party (SNP) wird die Unabhängigkeitsdebatte neu entfachen, meint das  britische Onlineportal:

„Die Bestätigung der Vormachtstellung von SNP-Chefin Nicola Sturgeon in Schottland wird das Vereinigte Königreich einer neuen Belastungsprobe aussetzen. ... Es mag sein, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU Ende Januar [eine Unabhängigkeit Schottlands] erschweren wird. Denn die SNP müsste erklären, dass sie eine Union verlassen und den Wiedereintritt in eine andere beantragen möchte. Doch das ist ein realpolitisches Experiment, dem Boris Johnson als Regierungschef vorstehen wird. Gleichzeitig wird der Brexit Nordirland weiter vom Rest des Vereinigten Königreichs weg- und näher an die Republik Irland heranführen. Johnson wird möglicherweise lange Zeit Premierminister sein. Aber gut möglich, dass er der letzte Regierungschef Großbritanniens ist.“

Corriere della Sera: Nun muss Europa sich entscheiden
Die Briten haben gewählt, nun kann und muss die EU sich über ihre Vision klar werden, schreibt Kolumnist Aldo Cazzullo in der liberal-konservativenTageszeitung Italiens:

„Nun hat Europa zwei Möglichkeiten. Zurückrudern und sich mit der Währungsunion begnügen, den Euro konsolidieren und es dabei bewenden lassen. Oder den föderalistischen Weg beschleunigen, ohne die Bremse, die das Vereinigte Königreich seit jeher dargestellt hat. In den letzten Jahren war London mit einem Fuß in der EU und mit dem anderen draußen. Es hat Schengen und Maastricht nicht anerkannt. Es bekam mehr Privilegien als Nachteile. Aber dies gehört mit der letzten Nacht der Vergangenheit an. Die Würfel sind gefallen. Die Geschichte wird zeigen, ob die Wahl richtig war.“

Dagens Nyheter: Adieu, britische Offenheit
Mit tiefer Traurigkeit betrachtet Schwedens liberale Tageszeitung den Wahlsieg der Tories:

„Die Offenheit gegenüber der Außenwelt machte das moderne Großbritannien zu dem, was es heute ist. Jetzt senkt sich der Nebel über den Ärmelkanal. ... Es herrscht eine tiefe Traurigkeit. ... Margaret Thatcher war die Premierministerin, die den Traum von Großbritannien als etwas Einzigartigem neu erfand, mehr als ein größeres Belgien im Inselformat. Genau dieser Traum, diese Geschichte mündete nun in eine konservative Regierung mit einem einzigen Wahlversprechen: sich von der Gemeinschaft zu lösen. 'Nebel über dem Ärmelkanal, der Kontinent ist isoliert', heißt es in einem alten Witz. Nie war er so wahr. “

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/13.12.2019
 
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