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Papst beendet Geheimhaltung bei Missbrauch Drucken E-Mail
Papst Franziskus hat das "päpstliche Geheimnis" im Fall von Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche abgeschafft. Die Verschwiegenheitsregel galt für Täter und Opfer gleichermaßen. Damit können ab sofort Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden weitergegeben werden. Europas Presse lobt die Maßnahme als wichtigen Schritt und diskutiert die weiterreichenden Folgen.

POLITYKA: Interesse der Kirche steht nicht mehr über allem.
Der Papst beendet eine Ära, findet das liberale Magazin:

„Durch die Abschaffung des 'päpstlichen Geheimnisses' ermöglicht Papst Franziskus den kirchlichen Behörden eine bessere Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden, die Pädophilie verfolgen. ... Papst Franziskus' Entscheidung schließt ein Kapitel der Geschichte des Kirchenrechts ab, in dem das Interesse der Kirche wichtiger war als der Umgang mit den Tätern. Ob es funktionieren wird, inwieweit und in welchen Ortskirchen, werden wir herausfinden. Aber im rechtlichen und moralischen Sinne eröffnet Papst Franziskus' Entscheidung eine neue Ära, hoffentlich eine bessere.“

Süddeutsche Zeitung: Ende der kirchlichen Paralleljustiz.
Ein großer, aber längst überfälliger Schritt für den Vatikan, kommentiert die linksliberale Tageszeitung:

„Er schafft ein Herrschaftsinstrument ab, das die Betroffenen im Unklaren über den Stand der Verfahren ließ, das Täter schützte, Opfer entmutigte und die Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten unterband. Der Papst setzt in die Tat um, was er auf der Krisenkonferenz im Vatikan vor knapp einem Jahr versprochen hat. Ein gutes Zeichen. Damit endet, zumindest formal, die Zeit kirchlicher Paralleljustiz. Es gibt, wie von den deutschen Bischöfen schon länger beschlossen, auch im Vatikan keinen Grund mehr, Verdachtsfälle der weltlichen Justiz vorzuenthalten, wenn den Beschuldigten ein rechtsstaatliches Verfahren erwartet.“

Irish Examiner: Nicht alle werden das schlucken.
Ob die katholische Kirche wirklich bereit ist zu diesem Schritt, ist nach Ansicht der liberalen Tageszeitung noch nicht klar:

„Obwohl sie als 'epochale Entscheidung' beschrieben wird, muss sich erst zeigen, ob die Änderung tatsächlich überall befolgt wird. ... Es war eine besonders fürchterliche Vorschrift, die in diesem Land häufig zum Schutz von Pädophilen genutzt wurde - sehr zum emotionalen und psychologischen Schaden der Opfer. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass die Politik des Papstes in Frage gestellt wird. Vielleicht auch diese Entscheidung. Wie mit möglichem Widerstand umgegangen wird, wird letztlich entscheidend sein.“

La Repubblica: Vorbereitung auf das nächste Konklave.
Der Vatikan-Experte Alberto Melloni vermutet in Italiens linksliberaler Tageszeitung, dass der Papst die Wahl seines Nachfolgers vor Interferenzen schützen will:

„Mit seiner Armen-Theologie hat Bergoglio die Distanz zur evangelikalen Rechten eindeutig markiert. Die Entschlossenheit des Papstes gegenüber nationalistischen und antisemitischen Impulsen hat der Kirche die Feindschaft klerikaler Faschisten eingebracht. Es ist also leicht vorherzusagen, dass - wie beim Brexit oder der Wahl von Trump - die großen internationalen Akteure im Netz aktiv sein werden. Sie könnten die Wahl des Bischofs von Rom manipulieren, indem sie einen oder mehrere Kandidaten mit der Anschuldigung der Pädophilie unwählbar machen. Die einzige Möglichkeit, dieses Risiko abzuwenden, besteht darin, sicherzustellen, dass das Kardinalskollegium völlig frei von Verdacht ist.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/18.12.2019
 
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