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Merkel und Putin besprechen die Sorgen der Welt Drucken E-Mail
Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist Bundeskanzlerin Merkel nach Moskau gereist, um sich mit Präsident Putin zu treffen. Dort sprachen beide über die Situation im Nahen Osten, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Eskalation und über eine politische Lösung für Libyen. Kommentatoren bewerten das Treffen als ungewohnt harmonisch, wobei dies nicht für alle (wie für Polen) ein Grund zur Freude ist.

Ria Nowosti: Beide wollen Frieden in Nahost
Dass Deutschlands Interessen im Nahen Osten sich mit denen Russlands kreuzen, trägt zur Annäherung beider Seiten bei, analysiert Russlands regeierungsnahes Onlineportal:

„Russland hat auf Militärebene eingespielte Kontakte mit den Schlüsselmächten der Region, einschließlich Iran, USA, Israel und der Türkei. Die Autorität unseres Landes ist dort so groß, dass die Meinung des Kreml von allen gehört und zur Kenntnis genommen wird. Im Unterschied zu den USA, denen es wegen ihrer geografischen Distanz ganz recht sein kann, wenn es im Nahen Osten richtig knallt, hat Moskau ein Interesse an dessen Befriedung. Darin fallen die Ziele Russlands und Deutschlands (wie auch Europas insgesamt) zusammen. Deshalb ist leicht verständlich, warum die deutsche Kanzlerin so eilig nach Moskau flog.“

Bild: Von der Rivalin zur Bittstellerin
Merkel hat am Ende ihrer Kanzlerschaft nicht mehr die Kraft, Putin die Stirn zu bieten, klagt der leitende Politikredakteur der konservativen Bild, Julian Röpcke:


„Ob Ukraine, Syrien, Libyen oder Iran: Putin zeigt, wohin es geht. Merkel nickt alles höflich ab, nimmt jede seiner zynischen Provokationen reglos hin. Sie schweigt, wenn er den Tiergarten-Mord rechtfertigt. Sie spricht über Frieden in Syrien, während er Bomben auf syrische Zivilisten regnen lässt. Aus den einstigen Rivalen auf Augenhöhe sind Taktgeber und Bittstellerin geworden. Nicht, weil Putin seine aggressive Außenpolitik zurückgefahren hat. Sondern weil Merkel ihm nichts mehr entgegensetzt. Europa braucht dringend einen ebenbürtigen Widersacher für Putin. Angela Merkel ist es schon lange nicht mehr.“

Večernji list: Das gibt Ärger mit Donald Trump
Das Treffen zwischen Putin und Merkel dürfte dem US-Präsidenten nicht gefallen haben, glaubt Kroations konservative Tageszeitung:


„Mit der Unterstützung für die Fertigstellung von Nord Stream 2 und der Energiepartnerschaft mit Putin trotzt Merkel offen Trump, dem auch nicht entgangen sein dürfte, dass Berlin die Exekution von General Soleimani verurteilt hat, genauso wie der Kreml. Damit hat sich Deutschland wieder von Washington distanziert und Putin angenähert, der dafür wiederum den Vorschlag der Kanzlerin unterstützte, dass die Internationale Libyen-Konferenz in Berlin stattfinden soll. ... Die Nachricht, die Berlin und Moskau senden wollen, scheint ziemlich eindeutig: während Trump für Chaos sorgt, arbeiten wir, gemeinsam und geduldig, an einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten und Libyen. Der eitle Trump wird Merkel dies nicht so einfach verzeihen.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/13.01.2020
 
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