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Holocaust-Gedenkfeiern stellen PiS-Regierung ins Abseits Drucken E-Mail
Die frostigen Beziehungen zwischen Russland und Polen haben seit Dezember an  Kältehärte zugenommen mit Putins Geschichtsschreibung, derzufolge Polen eine Kumpanei mit Nazi-Deutschland betrieben habe und der polnische Botschafter den Nazis ein Denkmahl in Warschau versprochen habe für die Ausrottung der polnischen Juden. Polen war das Land mit dem  höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil. Eine nicht hinnehmbare Geschitsfälschnung, nannte Polens Premier Duda eine  „Lügenhafte Behauptung" Putins.


Am 23. Januar fand eine Holocaust-Gedenkfeier in Jerusalem statt, u.a. mit einer Rede des deutschen  Bundespräsidenten Steinmaier. Duda wurde eine Rede verweigert, woraufhin er seine Teilnahme  verweigerte.

Mitorganisator der Gedenkfeier war ein russischer Oligarch mit enger Putin-Beziehung. Rund 50 Toprespräsentanten waren anwesend. Für die vier Tage später angesetzte Gedenkfeier in Auschwitz, ließ Duda in den Tageszeitungen Le Figaro, Die Welt und Washington Post mit einem ganzseitigen „Brief“ erklären, warum er seine Teilnahme an der Jerusalem-Gedenkfeier verweigert habe und stattdessen die heldenhafte Hilfe polnischer Bürger lobte, jüdische Mitbürger trotz Todesdrohung vor den Nazis gerettet zu haben.

An der Gedenkfeier in Auschwitz nimmt weniger Prominenz  als in Jerusalem teil. Putin hat seit Jahren eine Teilnahme verweigert, sonst aber sind alle Staaten-Promis dabei, auch Steinmaier wird eine Rede halten.

Warum die Gedenkfeier in Jerusalem größere internationale Promi-Präsenz fand, lassen Kommentare vermuten, die Probleme mit der Geschichtsschreibung haben, die Polens  nationalistische PiS-Regierung propagiert.

Was dabei herauskommt, meint der polnische Historiker Majewski, der an der Warschauer Universität lehrt: „Die polnische Erinnerungspolitik in den vergangenen fünf Jahren unter der PiS bestand darin, auf die nationalistische und hurrapatriotische Pauke zu hauen. Hätte sich Warschau bemüht, die Geschichte ehrlich darzustellen, wäre Polen jetzt nicht in dieser Form Putins Attacken ausgesetzt“.

Und weiter: „Dass weltweit bislang niemand für Polen in die Bresche gesprungen ist, hat mit Polens eigener Geschichtspolitik zu tun. Wer permanent ausländische Journalisten, Politiker und Künstler der Geschichtsfälschung bezichtigt und sogar mit einem „Holocaustgesetz“ versucht, weltweit eine Geschichtszensur durchzusetzen, muss sich nicht wundern, wenn sich im Falle einer tatsächlichen Geschichtslüge die Solidarität mit Polen in Grenzen hält".

Dass das schwierig zu sein scheint, zeigen Kommentare in polnischen Medien, die der Staatssender Polskie Radio zitiert.

Quelle: Polskie Radio/Welt.de/dpa/ds/24.01.2019
 
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