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75 Jahre Auschwitz-Befreiung: Wie gedenken? Drucken E-Mail
Am kommenden Montag jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. In Jerusalem fand dazu bereits am gestrigen Donnerstag das hochrangig besuchte "World Holocaust Forum" statt. Dieses wurde begleitet von den Fragen, wie mit erstarkendem Rechtsextremismus umzugehen ist und darüber, wer auf der Bühne sprechen darf. Medien diskutieren, wessen Stimme zur Shoah gehört werden sollte - und warum.


Der Standard: Polen hat eine Chance verpasst.
Polens Präsident Duda blieb der Veranstaltung fern, weil er keine Rede halten durfte. Oesterreichs linksliberale Tageszeitung kritisiert diese Entscheidung:

„In Warschau wehrt man sich - unter Strafandrohung - gegen Vorwürfe, die Polen eine Mitschuld an der Judenverfolgung während der deutschen Besatzung geben. In Israel sieht man darin grundsätzlichen Unwillen, sich mit Antisemitismus in den eigenen Reihen zu beschäftigen. Wladimir Putin stieß kürzlich ins selbe Horn und bezeichnete Polens Vorkriegsbotschafter in Berlin als 'antisemitisches Schwein', Warschau wiederum gibt Moskau mit Verweis auf den Hitler-Stalin-Pakt Mitschuld am Zweiten Weltkrieg. Dass Polens Präsident Andrzej Duda vor diesem Hintergrund nicht zur Gedenkfeier in Yad Vashem gekommen ist, [...] ist eine verpasste Chance. Er hätte zeigen können, dass angesichts von Millionen Holocaust-Toten auch in der Ruhe diplomatische Kraft liegt.“

Nowoje Wremja: Wichtige Stimme der Opferseite fehlt.
Der Journalist Witali Portnikow kritisiert im liberalen ukrainischen Magazin, dass beim Welt-Holocaust-Forum zwar Putin, nicht jedoch der ukrainische Präsident Selenskyj reden durfte:


„Von den jüdischen Opfern des Holocausts wurden die meisten in der Ukraine, in Polen, in Weißrussland und in Litauen ausgerottet. Und nicht in Russland. ... Selenskyj hat das gleiche moralische Recht, bei diesen Feierlichkeiten zu sprechen wie Putin, als Person sogar ein höheres, ist er doch ein Nachkomme der Opfer und nicht nur der Befreier. ... Wenn wir ehrlich über die Geschichte sprechen wollen, müssen der ukrainische und der polnische Präsident auf derselben Bühne sprechen können, auf der auch der russische Präsident sprechen wird.“

THE TIMES: Putins Geschichtsdarstellung ist unwürdig.
Die Geschichte des Holocausts steht nicht zur Debatte, bekräftigt die konservative britischeTageszeitung:

„Niemand bestreitet die Opfer der Sowjetunion nach der Invasion von 1941 oder das Heldentum der Roten Armee, das zur Befreiung der meisten Todeslager führte. Und genauso wenig sollten Russen die Opfer des polnischen Volkes bestreiten. ... Drei Millionen polnische Juden wurden im Holocaust ermordet. Mehr als zwei Millionen nichtjüdische polnische Zivilisten und Soldaten starben. ... So wie es falsch von der polnischen Regierung war, jede Behauptung, Polen trage eine Mitschuld am Holocaust, für gesetzeswidrig zu erklären, ist es falsch von Putin, Polen eine Mitschuld am Kriegsbeginn zu geben. Die Geschichte dieser Zeit ist komplex, aber eindeutig und nicht kontrovers. So zu tun, als wäre das anders, macht der Erinnerung an die Toten Schande.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/24.01.2020

 
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