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Kampf gegen Corona: Ein Wettstreit der Systeme? Drucken E-Mail
Während sich die Corona-Pandemie in Europa und den USA rasant ausbreitet, hat Chinas Staats- und Parteiführung sie mit drastischen Maßnahmen unter Kontrolle gebracht. Zwar sind die wirtschaftlichen Schäden beträchtlich, doch präsentiert sich das Land nun als Ratgeber und spendet sogar medizinisches Material für Europa. Kommentatoren fragen nach den langfristigen politischen Folgen.

RIA NOWOSTI: Nun will es China wissen.
Peking wird seine Ideologie und sein Sozialmodell nun verstärkt als vorbildlich propagieren, vermutet die staatliche Nachrichtenagentur:


„Was das Coronavirus betrifft, ist heute China der sicherste Ort der Welt - und nicht jene Länder, wo es dieses angeblich noch nicht gibt. Denn die Chinesen haben gelernt, es korrekt zu diagnostizieren, seine Verbreitung zu unterbinden und es zu behandeln. Das weiß die ganze Welt. So kam China in die einmalige Position eines Landes, das fähig und willens ist, allen zu helfen, die darum bitten. ... Der erfolgreiche Kampf gegen die Epidemie wird China langfristig nutzen. Und dessen ist man sich dort wohl bewusst - weshalb man versucht, daraus allgemeingültige Formeln zu formulieren. Etwa so: Welches politische System erweist sich in Notlagen als das bessere, das chinesische oder das westliche? Die Antwort liegt auf der Hand.“

FINANCIAL TIMES: Autoritarismus wird neue Anhänger gewinnen.
Nach der Finanzkrise von 2008 droht dem Westen nun ein weiterer Schlag ins Knie, analysiert Großbritanniens wirtschaftsliberale Tageszeitung:


„Der Glaube, dass China auf dem Vormarsch ist und der Westen unaufhaltsam im Niedergang begriffen ist, wird neue Anhänger finden. Argumente für den Autoritarismus und gegen die Demokratie werden mit größerer Kühnheit vorgebracht werden - sowohl in China als auch im Westen. ... Im Moment fühlt es sich so an, als ob China das Schlimmste hinter sich hätte, während der Ausbruch im Westen gerade erst beginnt. Die letzte globale Krise, der finanzielle Zusammenbruch von 2008, führte zu einem Verlust des Selbstbewusstseins im Westen und einer Verlagerung der politischen und wirtschaftlichen Macht Richtung China. Die Coronavirus-Krise von 2020 könnte eine noch viel größere derartige Verschiebung nach sich ziehen.“

Onet.pl: Ansehen der Demokratie steht auf dem Spiel.
Onet.pl sieht liberale Gesellschaften in Gefahr:


„Es ist bereits der Eindruck entstanden, dass Demokratien nicht in der Lage sind, eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung zu garantieren und die wachsenden, drastischen sozialen Ungleichheiten einzudämmen. Wenn sich nun auch noch herausstellt, dass sie in einer Situation, in der das Leben und die Gesundheit der Bürger bedroht sind, weniger wirksam agieren als autoritäre Länder, dann wird ihr Ansehen unweigerlich leiden. ... Die liberalen Demokratien in Europa müssen wieder an Stärke und Entschlossenheit gewinnen, um zu bestehen. Politiker müssen lernen zu führen, und nicht, der Menge zu folgen.“

Lidové noviny: Peking ist erstaunlich dreist.
Die chinesische Selbstbeweihräucherung geht der tschechischen konservativen Tageszeitung Lidové gegen den Strich:


„Wer in China [kurz nach dem Auftreten des Corona-Virus] von einer gefährlichen Krankheit sprach, bekam es mit der Polizei zu tun. Das Gesundheitssystem war nicht vorbereitet, was zur Ausbreitung des Virus beitrug. Unklar ist zudem, wie lange die herrschende Kommunistische Partei die Epidemie tatsächlich im Griff haben wird. Die Lage zu beschönigen, kann zu einem neuen Ausbruch führen. China beweist Chuzpe , wenn es sich lobt, dass die eigenen Erfahrungen jetzt der ganzen Welt helfen. Immerhin handelt es sich um ein Problem, das Peking erst geschaffen und dann in die ganze Welt exportiert hat.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/18.03.3020
 
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