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Homeoffice: Segen oder Fluch? Drucken E-Mail
Im Jahr 2018 haben nur 15 Prozent der Beschäftigten der EU von zu Hause aus gearbeitet. Die Zahlen dürften im Zuge der Corona-Pandemie gestiegen sein, auch wenn beispielsweise in Deutschland im März 45 Prozent angaben, dass ihre Arbeit dies gar nicht zulasse. Während Experten oft vor Einsamkeit und Stress im Homeoffice warnen, heben Kommentatoren die Vorteile hervor.

Tygodnik Powszechny: Schöne Titel und volle Kalender zählen nicht mehr. Die Zeit im Homeoffice holt so manchen Beschäftigten zurück auf den Boden, glaubt die katholische Wochenzeitung:

„So viele Jahre des Sammelns: akademische Titel, Verkaufsergebnisse, Kreditkarten, Publikationslisten; weiße Hemden und Wollblazer in unseren Kleiderschränken, Terminkalender, schmeichelhaft voll mit Meetings und Seminaren. ... Viele von uns sind tief mit den Rollen verbunden, die sie spielen. Viele von uns erfüllen diese Rollen theoretisch immer noch, niemand nimmt uns die akademischen Titel oder die erfolgreichen Lebensläufe weg. Aber trotzdem, wenn man in den vom Hund zerbissenen Pantoffeln im alten Sessel sitzt und die Frau schreit, dass man Milch kaufen gehen soll, erodieren diese Rollen ein wenig. Das zeigt, wie kurzlebig unsere Errungenschaften und Leistungen sind.“

The Irish Examiner: Schluss mit stundenlangem Pendeln. Arbeiten und Lernen von daheim hat viele Vorteile, erklärt die liberale Tageszeitung:

"Es bedeutet, dass mehr Menschen in Regionen mit niedrigeren Lebenshaltungskosten leben können, was dazu beitragen kann, das Blatt in der Immobilienkrise zu wenden. ... Und die tägliche, mehrstündige Pendelei, dieser moderne Fluch, könnte zumindest für einige Arbeitende Geschichte werden. Das würde unsere Abhängigkeit vom Öl verringern, was nur begrüßt werden kann, da sich unsere Welt in einem nicht nachhaltigen Ausmaß erwärmt. Das Lernen zu Hause könnte dazu beitragen, die Überbesiedelung von Universitätsstädten zu verlangsamen, in denen Wohnheime ständig ausgebaut werden. Es würde zudem mehr Menschen ein Hochschulstudium ermöglichen - und dabei geht es nicht nur um akademische Leistungen.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/14.04.2020
 
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