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Wie soll die Welt nach Corona aussehen? Drucken E-Mail
Nachdem in ersten europäischen Ländern Schulen und Geschäfte teilweise wieder geöffnet worden sind, haben weitere Staaten Zeitpläne für eine Lockerung der Beschränkungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie vorgestellt. Kommentatoren nehmen dies zum Anlass für Überlegungen, welche grundsätzlichen Änderungen die Krise nach sich ziehen sollte.

RZECZPOSPOLITA: Die gesamte Sozialordnung umkrempeln.
Alles, nur kein Weitermachen wie vor der Krise wünscht sich die  konservative Tageszeitung:

„Das Schlimmste wäre es, wenn wir die aktuelle Krise als eine Episode betrachten würden, die schnell vergessen werden muss. Denn davon, dass die Gesundheitsversorgung ein untergeordneter Bereich des Staates und der Gesellschaft ist, deren Probleme durch Privatisierung und Dezentralisierung des Managements gelöst werden können, kann uns nun niemand mehr überzeugen. ... Um das System zu ändern, muss die gesamte Ordnung der sozialen Solidarität neu aufgebaut werden, die konkret zum Beispiel durch das Steuersystem zum Ausdruck gebracht wird. Die aktuelle Krise bietet uns die Gelegenheit, eine ernsthafte Reform unseres Staates vorzunehmen.“

TAGES-ANZEUGER: Schluss mit politischer Schönfärberei.
Wir müssen einen vernünftigen Umgang mit Risiken finden, fordert der Ethik-Professor Peter Schaber in der  linksliberalen Schweizer Tageszeitung:

„Die Welt war nicht vorbereitet auf die Corona-Pandemie, einige Staaten noch weniger als andere, keiner aber so, wie er hätte vorbereitet sein sollen. Dabei war immer mit einer Pandemie zu rechnen. ... Politikerinnen und Politikern ist es unangenehm, auf solche Probleme aufmerksam zu machen. Lieber suggeriert man, dass alles gut gehen wird. Wir sollten unsere Haltung überdenken und pessimistischer werden. ... Aber wir dürfen dabei nicht in einen passiven Pessimismus verfallen, der die Zukunft ausschliesslich düster sieht und nahelegt, dass da nichts zu machen sei. Denn zugleich sollten wir alles dafür tun, das Schlimmste bestmöglich im Zaum zu halten.“

GORDONUA.COM: Bedingungsloses Grundeinkommen muss her.
Dass die Sozialsysteme umgebaut werden müssen, meint auch der TV-Moderator Savik Shuster auf  dem ukrainischen Onelineportal und macht einen konkreten Vorschlag:

„Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist die Verantwortung jedes einzelnen gegenüber Familie und Gesellschaft. ... Spanien hat bereits beschlossen, während und nach der Corona-Krise ein bedingungsloses Grundeinkommen zu bezahlen. ... Ich glaube, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die wirksamste Maßnahme gegen Korruption ist. Denn wenn der Bürger für das verantwortlich ist, was er vom Staat erhält, wird er bestechliche Beamte beobachten. Weil das ganze gestohlene Geld ja aus seiner Tasche gestohlen wird. Deshalb schlage ich den Politikern im Parlament, in der Regierung und im Büro des Präsidenten vor, sich sehr ernsthaft dieser Sache anzunehmen.“

LE TEMPS: Kulturelle Kollateralschäden vermeiden.
Künstler und Kulturinstitutionen stellen derzeit vermehrt digitale Angebote bereit. Online-Erlebnisse können kollektiven Kulturgenuss jedoch nicht dauerhaft ersetzen, mahnt die liberale Tageszeitung der Schweiz:Le Temps:

„Seit Beginn der Ausgangssperre haben wir alle die Erfahrung eines virtuellen Angebots gemacht, das uns zunächst verführt, dann aber eine diffuse Melancholie in uns hinterlassen hat. Das erinnert uns daran, dass Kultur seit dem griechischen Theater mit kollektiver Emotion zu tun hat. Die Welt nach der Pandemie muss mehr noch als die Welt davor auf Umweltschutz ausgerichtet sein. Sie sollte auch menschlich sein, mehr noch als virtuell. Wenn der Moment gekommen sein wird, die durch das Virus verursachten Kollateralschäden zu bilanzieren, wäre es tragisch, wenn die fragilsten Festivals und Kultureinrichtungen, die im sozialen Gefüge einer Region verankert sind und die nicht von künstlichen Paradiesen träumen, am stärksten gefährdet sind.“

Új Szó: Unsere Gewohnheiten sind langlebig.Mit dramatischen Prognosen sollte man vorsichtig umgehen, warnt der Journalist Pál Szombathy in Slowakiens liberaler Tageszeitung.

„Was soll man von diesen pessimistischen Zukunftsvisionen halten, die nun große Umwälzungen heraufbeschwören? Vielleicht lohnt es sich, über die Argumente nachzudenken, aber man sollte auch die dahinterliegenden Emotionen und Ängste zur Kenntnis nehmen. In schwierigen Zeiten strebt jeder danach, etwas Interessantes zu sagen, und dabei kommt es selbstverständlich zu Dramatisierungen. Niemand ist gegen die Auswirkungen des veränderten Alltags immun, doch zur Bewertung der Situation wäre etwas Abstand unerlässlich. ... Während solcher Umstürze sollte man vorsichtig urteilen. Das Virus kann eines Tages weg sein, wir bleiben aber die gleichen: Gefangene unserer Gewohnheiten. Deshalb glaube ich nicht, dass die wachstums- und konsumorientierte Welt am Ende ist.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/20.04.2020
 
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