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George Floyd und der Rassismus in Europa Drucken E-Mail
Nach der Tötung von George Floyd finden auch in vielen europäischen Ländern Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. Dabei richten sich die Kundgebungen auch gegen Rassenhass und strukturelle Gewalt im jeweils eigenen Land. Kommentatoren beschäftigen sich mit der Frage, ob Europa bei dem Thema zuerst vor der eigenen Haustür kehren sollte.


Gazeta Wyborcza: Absurde Gewaltspirale.
In den USA scheint sich die Selbstwahrnehmung der Polizei zumindest leicht zu verändern, stellt der Journalist Dawid Warszawski in der linksliberalen Tageszeitung fest:

.„Die Polizei kann nicht ohne Waffen arbeiten. Zu viele Zivilisten haben Waffen, und diese Zivilisten sind für 15.000 der 16.000 jährlich begangenen Morde verantwortlich. ... Die 800.000 Polizeibeamten sind für die verbleibenden 1.000 Toten verantwortlich, weil sie Angst vor den Zivilisten haben, die sie eigentlich schützen sollen. Die Beamten selbst nehmen die Absurdität dieser Statistik wahr: Der Mord an Floyd wurde zum ersten Mal von Polizeiverbänden verurteilt, und der Polizeichef von Minneapolis sympathisierte mit Demonstranten, die gegen Polizeikriminalität protestierten. Aber solange die Immunität der Beamten fortbesteht, bleibt das Virus unschädlicher für meine schwarzen Freunde als die Polizei.“

The Guardian: Made in Britain.
Großbritannien hat eine Chance verpasst, schreibt die linksliberale Tageszeitung.


„Die britische Regierung hätte in dieser Situation Demut demonstrieren können, indem sie die Erfahrungen Großbritanniens hervorhebt und anerkennt. Sie hätte thematisieren können, wie Großbritannien dazu beigetragen hat, den Rassismus gegen Schwarze zu erfinden, und wie das rassistische Erbe der heutigen USA auf britische Kolonien in Amerika zurückführen ist. Es war Großbritannien, das die Versklavung Schwarzer in der Karibik industrialisierte. Und es war Großbritannien, das auf dem gesamten afrikanischen Kontinent Apartheidsysteme schuf, indem es sich das Land, die Ressourcen und die Arbeitskraft Schwarzer zu eigen machte, um beide Weltkriege zu führen und danach erneut, um den Frieden wiederherzustellen.“

L'OPINION: Frankreich hat seine Polizei im Griff.
Auch in französischen Städten wird gegen Polizeigewalt demonstriert. Anlass ist auch ein neuer Bericht zum Tod des Schwarzen Adama Traoré 2016 bei einem Polizeieinsatz in der Pariser Banlieue. Frankreichs Ordnungskräfte dürfen aber nicht mit ihren US-Kollegen in einen Topf geworfen werden, warnt Christian Estrosi, konservativer Bürgermeister von Nizza, in der liberalen Tageszeitung.

„Ich prangere die in den USA angewandten Methoden, die Schwarzen angetane Ungerechtigkeit und die Zunahme von Polizeigewalt an. ... Meines Erachtens wäre es jedoch tödlich, die französischen Polizisten zu Sündenböcken eines US-Systems zu machen, das nicht unseres ist. Bei uns untersagt der Rechtsstaat zum Glück die Erstickungstechnik. Bei uns werden die Polizisten für Fehltritte gemaßregelt. Bei uns wird Rassismus in all seinen Formen bekämpft, aber Polizisten, die die Amtsgewalt verkörpern, werden verteidigt.“

DE VOLKSKRANT: Mark Rutte schweigt zum Hass.
Kolumnistin Sheila Sitalsing kritisiert in der linksliberalen Tageszeitung die Ausbreitung des Rassismus in den Niederlanden und das Schweigen von Premier Mark Rutte dazu:

„Er ist schon zehn Jahre Premier dieses Landes, und das hat er getan: ... Zehn Jahre, das sind: Eine Koalition mit der PVV [der Partei des Rechtsextremen Geert Wilders], also der Hass auf Marokkaner und Antillaner macht sich ohne Probleme im Parlament breit; zehn Jahre 'Verschwinde in die Türkei' und 'Benimm dich oder hau ab'. ... Zehn Jahre Protzer-Praxis bei der Polizei, die jeden Schwarzen in einem schicken Auto zum Verdächtigen degradiert. Das sind Polizisten, die sich 'Marokkaner-Vernichter' nennen. Eine Steuerbehörde, die nicht-weiße Familien von vornherein zu Betrügern erklärt. “

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/04.06.2020
 
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