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Polen: Stichwahl in einer gespaltenen Gesellschaft Drucken E-Mail
Am Sonntag kommt es zur Stichwahl um die polnische Präsidentschaft zwischen dem rechtskonservativen Amtsinhaber Andrzej Duda und dem liberalen Bürgermeister von Warschau, Rafał Trzaskowski. Duda hatte im ersten Wahlgang 43,5 Prozent erreicht, Trzaskowski 30,5 Prozent. Kommentatoren analysieren, wo die entscheidenden Trennlinien durch die Wählerschaft des Landes verlaufen.

 
KRYPTYKA POLITYCZNA: Angst gegen Angst.
Polens links-ausgerichtetes Onlineportal sieht vor allem einen Grund, der die Menschen an die Urnen treibt:


„Eine Wählergruppe hat Angst vor dem Fall der Demokratie, der Isolation Polens in der EU oder der Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die zweite Gruppe befürchtet, die in den letzten Jahren erzielte wirtschaftliche Sicherheit zu verlieren, oder dass die polnische Politik ausländischen Interessen untergeordnet wird. ... Davon abgesehen, inwieweit diese Bedrohungen real sind: Die Angst vor ihnen ist definitiv real. Wir haben also zwei Gruppen, die nicht im geringsten gemeinsame Perspektiven aufbauen können. Wenn sie sich gegenüberstehen würden, könnten beide Gruppen singen: 'Meine Angst ist besser als deine!'“

UKRAJINSKA PRAWDA: Dudas Blick könnte noch weiter nach rechts wandern.
Dass die rechtsradikale Konföderationen-Partei um Krzysztof Bosak im ersten Wahlgang so stark abgeschnitten hat, dürfte auch die Stichwahl beeinflussen, analysiert  Ukraines liberales Onlineportal:


„Die Gesellschaft umzingelt die Wählerschaft der 'Konföderation' gewissermaßen, indem sie sie als marginal oder als Faschisten brandmarkt. ... Dies führt jedoch keineswegs dazu, dass die Anhänger von Bosak ihre politischen Ansichten überdenken. ... Da die Auseinandersetzungen vor der Stichwahl an Schärfe zunehmen werden, sollte man über eine ganz einfache Frage nachdenken: Wie wird Andrzej Duda versuchen, die Bosak-Wählerschaft an sich zu ziehen? Schließlich wird man vor der Stichwahl auf sie und auf die Unentschiedenen setzen. Bedeutet das nicht, dass Slogans, die bisher als politisch nicht korrekt galten, nun in den Wahlkampf übernommen werden?“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/08.07.2020
 
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