Home arrow Panorama arrow US-Truppenabzug aus Deutschland: Schlag oder Chance?
US-Truppenabzug aus Deutschland: Schlag oder Chance? Drucken E-Mail
Im Juni hatten die USA den Truppenabzug aus Deutschland bereits angekündigt, nun haben sie konkrete Pläne präsentiert: Insgesamt 11.900 der derzeit in der Bundesrepublik stationierten Soldaten sollen so schnell wie möglich verlegt werden. Zudem wird das Europa-Kommando der US-Streitkräfte künftig in Belgien sein. Nicht alle Beobachter bewerten diese Nachrichten negativ.


DEUTSCHLANDFUNK: Kein Beinbruch.
Der Deutschlandfunk empfiehlt erst einmal Gelassenheit
:

„Von den 12.000 amerikanischen Soldatinnen und Soldaten soll ... die Hälfte in Europa bleiben, da hat sich das Pentagon durchgesetzt. Sie sollen unter Verweis auf die aggressive Politik Russlands ins Baltikum und an das Schwarze Meer verlegt werden. Auch die Verlegung des Hauptquartiers der US-Streitkräfte in Europa nach Belgien ist sicherheitspolitisch kein Beinbruch, auch wenn die Region Stuttgart die amerikanischen Soldaten gerne behalten hätte. Das Afrika-Kommando soll übrigens zunächst in Stuttgart bleiben. Die Infrastruktur für die amerikanischen Truppen in Deutschland ist gut und erprobt, und das Pentagon weiß dies auch. Der angebliche Truppenabzug ist also bei näherer Betrachtung substantiell, aber nicht grundstürzend. Und ob er tatsächlich so stattfinden wird, das wird sich bei der Präsidentschaftswahl im November zeigen.“

POLITYKA: Europa auf sich allein gestellt.
Polens liberales Magazin  zeigt sich beunruhigt:

„Einige der aus Europa abgezogenen Truppen sollen noch US-Militäroperationen in der Region unterstützen, jedoch auf Rotationsbasis. ... Solange die Rotationspräsenz eines großen US-Kontingents in Polen erhalten bleibt, ändert sich für Polen auf lokaler Ebene nichts. Aber generell wirken sich der Abzug einer schnellen motorisierten Brigade aus Bayern und der Transfer von F-16-Kämpfern nach Italien negativ auf den baltischen Raum und die nördliche Grenze zwischen der Nato und Russland aus. Trump erinnert Europa und Polen schmerzlich daran, dass man sich in erster Linie auf sich selbst verlassen muss.“

NZZ: Deutschland muss sich jetzt entscheiden.
Die Chance auf eine dringend nötige Klärung der eigenen Rolle sieht die liberale Schweizer Wochenzeitung für Deutschland:


„Auf den ersten Blick mag Trump das Land bestraft haben. Doch in Wahrheit eröffnet der Truppenabzug eine Chance: All jene Realpolitiker, die seit Jahren gegen die teils pazifistische, teils amerikafeindliche Mehrheitsmeinung in Deutschland anreden, sind nun zur Abwechslung im Vorteil. ... Deutschland muss sich entscheiden: Will es das wohlige Gefühl bewahren, eine 'Friedensnation' zu sein? Das hat bisher bedeutet, dass andere den Frieden sichern. Oder springt das Land über seinen Schatten, der über der Vergangenheit liegt, und sichert selbst den Frieden für sich und seine europäischen Partner?“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/30.07.2020
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.