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Wahl-Prognosen befeuern Proteste in Belarus Drucken E-Mail
Nach der Präsidentschaftswahl sind in Belarus Zehntausende auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen den von den Behörden angekündigten Sieg Lukaschenkos. Demnach soll der Amtsinhaber 80 Prozent der Stimmen erhalten haben, Oppositionskandidatin Tichanowskaja nur 9,9 Prozent. Nachwahlbefragungen im Ausland kommen hingegen auf 71 Prozent für Tichanowskaja. Steht die Zukunft des Landes auf Messers Schneide?

POLITYKA: Jetzt oder nie.
Kommentatorin Jagienka Wilczak beschreibt in Polens liberaler Wochenzeitung  die Tage der Entscheidung:


„Eines ist sicher: In Belarus hat es noch nie einen solchen Schritt gegeben, eine solche Mobilisierung der Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass irgendjemand denkt, Lukaschenko habe einen demokratischen und fairen Kampf gewonnen. Ich denke, dass heute in Minsk das belarussische Schicksal entschieden wird. Werden die Menschen durchhalten? Wollen sie wirklich diese Veränderungen erreichen? Ohne Blutvergießen, aber mit Durchhaltevermögen und Solidarität? Falls das nicht passiert, bleiben sie dazu verdammt, bis zum Ende der Welt und noch länger von Lukaschenko regiert zu werden.“

SME: Zur Not muss Lukaschenko nur "Maidan" sagen.
Die slowakische liberale Tageszeitung  überlegt, wie eng es für Lukaschenko werden könnte:

„Belarus ist eines der Länder, die Berichterstatter mögen, weil sie vor einer Wahl nicht zwei Artikel-Versionen, eine für jeden möglichen Gewinner, vorbereiten müssen. Nein, in Belarus ist seit einem Vierteljahrhundert alles klar, man weiß, Alexander Lukaschenko wird gewinnen. … Gut möglich, dass der Ärger junger Bürger kritische Werte erreicht hat und Lukaschenko größeren und unangenehmeren Protesten ausgesetzt sein wird. Aber notfalls kann Lukaschenko immer noch das Zauberwort der Maidanisierung benutzen und die Bevölkerung mit der Frage konfrontieren, ob sie sich wirklich so viel Freiheit wünscht.“

NV.UA: Allein Gewalt kann ihn an der Macht halten.
Ohne Russland sind Lukaschenkos Tage gezählt, glaubt Publizist Iwan Jakowyna in der liberalen ukrainischen Tageszeitung:

„Anstatt der Opposition Verhandlungen anzubieten, forderte er die Bevölkerung auf, sich auf das 'Gemetzel' auf den Straßen der Stadt vorzubereiten und versprach, so hart wie möglich zu handeln. Lukaschenko hat sich also entschieden, für seinen Machterhalt Gewalt einzusetzen. … Am wahrscheinlichsten ist es, dass er in dieser Situation den Sicherheitskräften den Befehl geben wird, auf das Volk zu schießen, gezielt. … Und sehr wahrscheinlich werden sich diese weigern, diesen Befehl auszuführen - und dann wird das Regime noch am gleichen Tag fallen. Sollten sie aber doch schießen, wird das Regime noch einige Zeit überleben, aber kaum mehr als einige Monate. … In diesem Fall kann Lukaschenko nur durch Einmischung von außen gerettet werden. Zum Beispiel von Russland.“

SVENSKA DAGBLADET: Russlands Argusaugen.
Belarus wird immer mehr zu einer Belastung für den Kreml, stellt Schwedens konservative Tageszeitung fest:

„Unabhängig davon, was jetzt passiert, wird die Entwicklung zu Reaktionen in Moskau führen. … Gut möglich, dass Lukaschenko, wenn er spürt, dass er keine Kontrolle mehr über die Entwicklung hat, dem Traum Moskaus nachgeben wird: der völligen Einheit von Belarus und Russland - obwohl er während des Wahlkampfs mit deutlich antirussischen Kommentaren aufgefallen ist.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/10.10.2020
 
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