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Belarus: Wie soll Russland reagieren? Drucken E-Mail
In Russland sind Politik und Öffentlichkeit hin- und hergerissen, wie man auf die Entwicklungen in Belarus reagieren soll - auch weil Lukaschenko stets ein Garant der gegenseitigen Nähe war. Viele solidarisieren sich mit der Bevölkerung, andere fürchten eine Entfremdung wie in der Ukraine. Und darf man mit dem Westen einer Meinung sein? Pressekommentare zeugen von einem spannungsreichen Dilemma.

RZECZPOSPOLITA: Die EU hat hier nichts zu melden.
.Jetzt braucht Belarus einen Deal zwischen den USA und Russland, meint Polens konservative Tgeszeitung:

„Als Gegenleistung für die Aufrechterhaltung des Status quo wird Lukaschenko entfernt. Der Status quo würde darin bestehen, dass der Westen anerkennt, dass Belarus Russlands militärischer Verbündeter bleiben wird und dass sein zukünftiger Präsident wahrscheinlich pro-russisch sein wird, weil die meisten Belarussen sich so definieren. Der Kreml wiederum wird nicht versuchen, Belarus zu annektieren. ... Wird die Europäische Union gebraucht? Ja, um zukünftige Reformen in Belarus zu finanzieren - sonst für nichts. Die deutsch-französische Führung vermittelt seit sechs Jahren über den Krieg im Donbass, die Konsequenzen dessen sind jeden Tag sichtbar. Man möchte gar nicht daran denken, wozu ihr Einfluss in Belarus führen würde.“

Newsru.com: Im Ernstfall hilft Putin dem ungeliebten Nachbarn.
Der liberale Publizist Leonid Gosman sieht in einem vom russischen Onlineportal  übernommenen Facebook-Post die Gefahr einer russischen Intervention:


„Persönlich kann Putin Lukaschenko nicht ausstehen und sähe gerne jemand anderen an dessen Stelle. Doch einen Sturz Lukaschenkos durch den Volkswillen kann er auch nicht zulassen. Dafür sind sich Russland und Belarus kulturell und mental zu nahe - ein Sturz des belarusischen Diktators nach einer Wahl würde die Demokratiebewegung in Russland beflügeln, wo sich das autoritäre Regime auch nur mit letzter Kraft hält. Sollte Lukaschenko also nicht klar kommen, dürfte ihm die Russische Föderation zu Hilfe eilen.“

Radio Kommersant FM: Tatenlosigkeit des Kremls ist gefährlich.
Ruslands liberal-konservatives Onlinportal kritisiert, dass der Kreml bisher nur diffus zu den Geschehnissen Position bezieht:

 „Die Lage in der Republik gerät außer Kontrolle. Da darf man nicht einfach nur dasitzen und zugucken. Theoretisch könnte man sich mit den [westlichen] Partnern zusammenschließen und versuchen, eine gemeinsame Position zu finden. Zumindest einen Versuch wäre es wert. Aber bisher sehen wir nur Bemühungen, eine internationale Verschwörung aufzudecken. Als wären es US-Ranger oder EU-Gardisten, die da mit Schlagstöcken einfache Weißrussen verprügeln, auf Autos einschlagen und mit Gummigeschossen in Menschenmengen schießen. Wenn es so weiter geht, riskiert Russland, Weißrussland zu verlieren. Das dort aktuell entstehende Machtvakuum wird sich sehr schnell füllen.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/14.08.2020
 
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