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Die Entwicklung nach der Präsidentschaftswahl in Belarus bleibt weiterhin völlig offen: Die Proteste halten an, doch Präsident Lukaschenka macht keine Anstalten, der Opposition Konzessionen anzubieten oder gar abzutreten. Europas Medien spekulieren, wie es in dem Land weitergehen wird.

GAZETA WYBORCZA: Wie Belarus den falschen Weg einschlug.
Die sanfte Transformation der Wirtschaft nach 1989 schadet den Belarusen bis heute, meint Polens linksliberale Tageszeitung:

„Nach der Machtübernahme von Lukaschenka 1994 wurden Reformbemühungen eingestellt. Heute gehören 80 Prozent der Industrie dem Staat und die Zahl ausländischer Investitionen ist kaum der Rede wert. ... Die polnischen Arbeiter, die vor 40 Jahren mit den Protesten begannen, die später den Zusammenbruch des kommunistischen Systems auslösten, wussten nicht, dass viele der Unternehmen, für die sie arbeiteten, infolge des Zusammenbruchs verschwinden würden. Sie erlitten große Verluste, aber dank ihnen leben wir in einem Land, das nicht nur demokratisch, sondern auch reicher ist. Durch die Wahl der angeblich milderen Variante der Transformation verloren die Belarusen ihre Chance auf Demokratie und Wohlstand. Heute stehen sie fast am selben Punkt wie vor 30 Jahren.“

DIENA: Das traurige Ende einer Revolution.
Keine großen Hoffnungen auf eine Wende in Belarus hat Lettlands liberale Tageszeitung:

„Die großen Proteste waren höchstwahrscheinlich der Höhepunkt der Revolution, dem keine logischen Fortsetzungen folgten, wie Massenstreiks in staatlichen Fabriken. Ebenso haben die Demonstranten es nicht geschafft, die Machtpyramide von Lukaschenka zu erschüttern - es gibt keine hochrangigen Überläufer. Die gegenüber dem jetzigen Präsidenten Loyalen haben die Machtstrukturen erhalten und immer mehr Anhänger von Lukaschenka gehen auf die Straßen. Es stellte sich überraschend heraus, dass es im Land viele solcher Menschen gibt. ... All das bedeutet noch nicht, dass Lukaschenka die Macht behält, aber es gibt ihm die Möglichkeit, nach seinen eigenen Bedingungen abzutreten und seinen Platz an einen Nachfolger aus den Reihen der jetzigen Elite zu übergeben.“

REPUBLICA: Bloß weg mit dem Diktator.
Für die Jugend des Landes hat Lukaschenka endgültig ausgedient, beschreibt Małgorzata Kulbaczewska-Figat, Chefredakteurin des polnischen Onlineportals strajk.eu, die Situation in Belarus auf Rumäniens liberal-konservativem Blogportal:

„Lukaschenka hat aufgehört, ein Anführer zu sein, der sich um die Bevölkerung kümmert. Er ist ein gewöhnlicher Diktator geworden. ... Seine Worte beeindrucken die Leute und vor allem die jungen nicht mehr, deren gesamtes Leben unter seiner Führung stand. ... Sie sind bereit, wen auch immer zu unterstützen, auch wenn diese Person noch nicht einmal ein Programm oder Versprechen hat - bloß Lukaschenka soll es nicht mehr sein. Sie denken nicht geopolitisch und sie glauben auch nicht, dass das Land im Falle eines Staatsstreichs das Schicksal der Ukraine und ihrer verarmten Gesellschaft ereilt.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/24.08.2020
 
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