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Genderneutrale Berlinale-Preise: Nur gut gemeint? Drucken E-Mail
Die Berlinale will ihre Schauspielpreise künftig nicht mehr nach Geschlechtern getrennt an eine "beste Darstellerin" und einen "besten Darsteller" vergeben. Stattdessen sollen schlicht die beste Haupt- und die beste Nebenrolle ausgezeichnet werden. Das sei ein Signal für ein gendergerechteres Bewusstsein in der Filmbranche, teilten die Organisatoren mit. In den Kommentarspalten hagelt es Kritik.
 
 

Gazeta Polska Codziennie: Ein Schuss in den Ofen.
Nicht nachvollziehbar ist der Schritt für die regierungsnahe polnische Tageszeitung:

„Als absurd muss man die Entscheidung des Veranstalters der Internationalen Filmfestspiele Berlin bezeichnen, ab dem kommenden Jahr keine getrennten Schauspielpreise für Männer und Frauen mehr zu vergeben. Es ist unklar, was die Organisatoren zu diesem Schritt bewegte. Wie macht man Geschlechter sichtbarer, mit einer Unterscheidung oder ohne? Die Vernunft legt nahe, dass gerade die Unterscheidung Raum für eine stärkere Wahrnehmung bietet.“

Süddeutsche Zeitung: Kein Gewinn für die Chancengleichheit.
Gerechtigkeit wird so gewiss nicht erreicht, meint die linksliberale Tageszeitung:

„Für Frauen ist es eher irritierend, wenn die Gendergerechtigkeit dadurch hergestellt werden soll, dass es Veränderungen in der einen Kategorie gibt, in der Frauen bislang nicht unterrepräsentiert waren, wenn auch nur, weil sie ihnen alleine gehörte. ... Bei den Regie-Preisen heißt es oft, sie gingen so oft an Männer, weil es viel weniger Filme von Frauen gibt. Nach der Logik gehen jetzt mehr Darstellerpreise an Männer, weil es ja auch viel mehr Rollen für Männer gibt. Sollte es nicht so sein, wird die Behauptung kursieren, der Preis sei an jemanden vergeben worden, nur weil es sich um eine Frau handelte und sich die Jury dem 'Genderwahn' beuge - so wie es schon oft geschehen ist, wenn Regisseurinnen irgendwo einmal ausgezeichnet worden sind.“

Le Figaro: In der westlich-intellektuellen Blase.
Naiv findet die Entscheidung Kommunikationsexperte Richard de Seze in Frankreichs konservativer Tageszeitung:

„Die Welt ächzt unter den verschiedensten Gräueltaten, die Menschen sterben an Hunger und Verzweiflung, rund um den Globus herrschen offene oder latente Kriege wirtschaftlicher, politischer, religiöser und ideologischer Art. Und die Agenten des Guten überzeugen sich selbst und wollen uns davon überzeugen, dass die Realität in Wirklichkeit eine Welt der Symbole ist, ein rein intellektuelles und soziales Konstrukt, das sie nach Belieben umgestalten können. ... Diese Fanatiker der neuen Welt werden nur im Westen Siege erringen, der selbst auf seine kommerzielle Sphäre reduziert ist, und auf seine vermarktungsfähigsten Produkte und am meisten subventionierten Künste - kurz gesagt: in der kleinen Welt der aufgeklärten Menschen. Der Rest der Menschheit bleibt primitiv.“

Quelle: eurotopcs Presseschau/bpb/ds/31.08.2020
 
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