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40 Jahre Solidarnosc: Umstrittenes Erbe Drucken E-Mail
Vor 40 Jahren wurde in Polen die erste freie Gewerkschaft, die Solidarność, zugelassen. Sie ebnete den Weg für den Sturz des Kommunismus in Europa. Ihr damaliger Anführer und spätere polnische Staatspräsident Lech Wałęsa ist der heutigen PiS-Regierung als Kritiker ihres antiliberalen Kurses ein Dorn im Auge. Und so streitet Polen zum Jubiläum darüber, ob Wałęsa ein Held ist oder ein Verräter, der mit den Kommunisten kollaborierte.

RZECZPOSPOLITA: Die Bewegung gehört niemandem.
Polens konservative Tageszeitung Rzeczpospolita ärgert sich darüber, welche Debatte zum Solidarność-Jubiläum in Polen geführt wird:


„Während die Welt die Solidarność wiederentdeckt, streiten die Polen darüber, wessen Beschreibung der Augusttage 1980 der Wahrheit entspricht und wer die Ideale dieser Bewegung verraten hat. ... Sie vergessen dabei, dass die Bewegung in den 1980er Jahren intern zersplittert war: sie versammelte national-katholische Kreise, Freimaurer, Sozialdemokraten, aber auch Mitglieder der Kommunistischen Partei. Ihr Zusammenhalt beruhte auf ihrer Vielfalt, als Gegenbild zum kommunistischen System.“

LRT: Einzigartige Bereitschaft zum Konsens.
Dem heutigen Polen fehlt eine entscheidende Eigenschaft der Solidarność-Bewegung, beobachtet Donatas Puslys vom Vilnius Institute for Policy Analysis im liberal-konservativen litauischen  Onlineportal:

„Solidarność hatte verstanden, dass man, auch wenn große Veränderungen erzielt werden, den Staat anschließend mit den Menschen des ehemaligen Regimes teilen muss. Deshalb wollte die Bewegung einen Weg des Konsenses und nicht der Konfrontation gehen. ... So entstand der Runde Tisch, der Polen in die erste halb freie Wahl führte. ... Solidarność verkörperte die Tatsache, dass Demokratie auf einer Konsenskultur basiert. Genau diese ist heute in Polen in Gefahr, denn verschiedene Radikale wollen die Entscheidungen der Vergangenheit revidieren und eine Gerechtigkeit nach ihrem Gusto schaffen. Dies führt aber nicht zu größerer Solidarität, sondern zu Polarisierung und enormen Herausforderungen für die Demokratie.“

Quelle: eurotopics/Presseschau/bpb/ds/08.09.2020
 
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