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Lukaschenka besucht Putin in Sotschi Drucken E-Mail
Während die Massenproteste in Belarus unverändert anhalten, reist Langzeitpräsident Lukaschenka am heutigen Montag nach Sotschi, um Wladimir Putin zu treffen. Europas Presse fragt, ob die beiden ein gemeinsames Vorgehen gegen die Oppositionsbewegung besprechen oder Putin vielleicht für eine Wende im Nachbarland sorgt.


RZECZPOSPOLITA: Der Kreml hat alles längst vorbereitet.
Putin bereitet sich auf die Zeit nach Lukaschenka vor, meint der Chefredakteur der konservativen Tageszeitung,  Bogusław Chrabota:

„Zweifellos liegen die Schlüssel zum Minsker Präsidentenpalast in einer Schublade des Kremls. Ich bezweifle, dass Putin glaubt, Russlands Einfluss in Belarus werde mit Lukaschenka enden. Zweifellos hat Wladimir Wladimirowitsch andere Szenarien vorbereitet. Der Beweis dafür ist die zunehmende Präsenz anonymer 'grüner Männchen' in nicht gekennzeichneten Autos in Belarus. Wie schnell werden diese Männer ihre Sturmhauben ausziehen und die Kontrolle im aufständischen Land übernehmen? Und wird dann jemand Swetlana Tichanowskaja und Swetlana Alexijewitsch, oder eine ganz andere Person zu Gesprächen einladen? Wir werden die Antwort wahrscheinlich im Herbst kennen.“

ECHO MOSKWY: Dieser Mann ist nicht mehr der richtige Partner.
Schon aus eigenem Interesse muss Putin dem Minsker Machthaber jede weitere Unterstützung versagen, fordert ein vom liberalen russischen Onlineportal  übernommener Post aus dem anonymen linken Telegram-Kanal SerpomPo
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„Wenn Putin nicht noch ein verfeindetes Land vor der Haustür haben will und sich die Chance bewahren will, dass es eine neue loyale Führung in Belarus gibt, dann gibt es nur ein Szenario: Er muss Lukaschenka klipp und klar sagen, dass er keine Unterstützung bekommt. Und dass alle politischen Gefangenen ohne Bedingungen freizulassen sind, also auch die politischen und gesellschaftlichen Anführer Babariko, Tichanowski, Kolesnikowa und Statkewitsch. ... Danach muss Lukaschenka (wenn er kann) Belarus verlassen und den Weg für eine Neuwahl in einem halben Jahr freimachen. ... Russlands Führung muss endlich verstehen: Lukaschenkas Zeit ist abgelaufen, Belarus hat sich für immer verändert.“


NV.UA: Russland wird nicht einmarschieren.
Der belarusissche Machthaber wird den großen Nachbarn sicher nicht um militärische Hilfe ersuchen, erläutert der Politologe Dmitri Oreschkin in der liberalen ukrainischen Wohenzeitung:

 „Lukaschenka versteht: Solange sich die Macht in Belarus auf Gewalt stützen kann, gehört sie dem, der mehr Bajonette hat. Wenn im Land plötzlich Bajonette auftauchen, die einem anderen loyal sind, wird Lukaschenka Putins Marionette werden. Und dann wird er entmachtet. Das ist gut für den Kreml, aber nicht für Lukaschenka. Noch sind friedliche Demonstranten für ihn eine kleinere Bedrohung als bewaffnete Soldaten aus Russland. ... Am wahrscheinlichsten ist folgendes Szenario: Die belarusischen Sicherheitskräfte werden weiterhin versuchen, die Demonstrationen zu unterdrücken. Und Lukaschenka wird Putins Wunsch, 'grüne Männchen' ins Land zu lassen, die dieser 2014 zur Annexion der Krim schickte, nicht nachkommen.“

TIMES OF MALTA: Bitte keinen Stellvertreterkrieg.
Maltas konservative Tageszeitung  hofft, dass Belarus nicht zwischen den Interessen des Westens und Russlands zerrieben wird:


„Belarus sollte kein weiterer geopolitischer Spielplatz werden, auf dem Russland und der Westen um ihre jeweiligen Interessen kämpfen. Dies ist ein entscheidender Faktor. Im Zweiten Weltkrieg, der in den Ländern der früheren Sowjetunion meist als der Große Vaterländische Krieg bezeichnet wird, wurden Tausende Dörfer und Siedlungen zerstört. Eine von vielen Belarusen angeführte Tatsache ist, dass 25 Prozent der Bevölkerung während dieses Kriegs getötet und 85 Prozent der Hauptstadt Minsk dem Erdboden gleich gemacht wurden. Viele Belarusen hegen die Befürchtung, dass etwas Ähnliches wieder passieren könnte.“


Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/14.09.2020
 
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