Home arrow Panorama arrow Corona-Herbst: Die Lockdown-Angst ist zurück
Corona-Herbst: Die Lockdown-Angst ist zurück Drucken E-Mail
Neue Rekordwerte im Tagesrhythmus, besorgte Mahnungen von Politik und Wissenschaft: Die Corona-Neuinfektionen steigen in fast allen Ländern Europas wieder rasant an. Mit verschärften Regeln versuchen die Regierungen gegenzusteuern, die ersten Lockdowns sind wieder in Kraft. Kommentatoren diskutieren, ob es zum harten Kurs tatsächlich keine Alternative gibt und was anders ist als im Frühling.

POLITYKA: Ökonomische Überlegungen wiegen diesmal stärker.
Anders als im Frühling glauben viele Regierungen, dass ein Lockdown - trotz ähnlicher Lage - jetzt falsch wäre, analysiert Polens libverales Wochenmagazin:

  „Entsprechend äußern sich der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn und der italienische Premier Giuseppe Conte. Auch Johnson, Macron oder der spanische Regierungschef Pedro Sánchez erwägen nicht, die Wirtschaft zum zweiten Mal einzufrieren. Ihre Erklärungen widersprechen häufig den Statistiken und sogar den Stimmen von Wissenschaftlern, die einen zweiwöchigen Lockdown im Herbst als einzige wirksame Waffe gegen eine weitere Viruswelle empfehlen. Jeder auf dem Kontinent erkennt jedoch, dass dieser höchstwahrscheinlich ein Nagel im Sarg der Volkswirtschaften wäre. Ein Schlag, vor dem uns keiner schützen kann, auch nicht der größte Krisenschutzschild.“

WEDEMOSTI: Russland setzt auf den schwedischen Weg.
Russlands liberale Tageszeitung vermutet hinter der Zurückhaltung der russischen Behörden angesichts der wieder erstarkenden Epidemie ein umstrittenes Vorbild:

„Schweden hat im Frühjahr keine Beschränkungen erlassen, wie sie in anderen Ländern Europas üblich waren. Anfangs führte das zu einem Schub bei der Sterblichkeit in den Risikogruppen - dafür ist jetzt die Zahl der Neuerkrankten in Schweden gering. Offenbar hat sich die Strategie, auf eine 'Herdenimmunität' zu setzen, doch bewährt. ... Eine verlässliche wissenschaftliche Bestätigung dafür steht noch aus - aber das schwedische Beispiel wird in diesem Kontext ständig diskutiert.“

DNEVNIK: Existenz der Gastronomie steht auf dem Spiel.
Sloweniens Regierung hat unter anderem beschlossen, dass Lokale ab 22:30 Uhr schließen müssen. Die regierungskritische Tageszeitung hat dafür kein Verständnis:

„Das ist eine weitere Maßnahme, die praktisch allen slowenischen Lokalinhabern, die unser Land schon während der ersten Corona-Welle völlig vergessen hat, direkten Schaden zufügen wird. ... Die Restaurants gehörten damals zu den ersten, die ihre Türen schließen mussten, und zu den wenigen, die ihre Aktivitäten ganz einstellen mussten. Als die Bars endlich wieder zu öffnen begannen, war es praktisch Sommer, und potenzielle Gäste, die die Quarantäne satt hatten, waren bereits in den Urlaub geflohen. Warum Wirtschaftsminister Zdravko Počivalšek keine großzügigen staatlichen Hilfen für Restaurants beschlossen hat, ist schwer zu sagen. Tatsache jedoch ist, dass viele Lokale ohne sie einen weiteren Schock nicht überstehen werden.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/23.09.2020
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2020 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.