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Geht der Papst auf Homosexuelle zu? Drucken E-Mail
Papst Franziskus hat sich für gesetzlich anerkannte Partnerschaften für homosexuelle Paare ausgesprochen: "Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben", sagte er in einem Interview für den Dokumentarfilm Francesco, der am Mittwoch beim Filmfestival in Rom Premiere feierte. Kommentatoren streiten darüber, wie bedeutsam diese Worte für die katholische Lehre sind.

wPOLITYCE.pl: Erstmal abwarten.
Polens nationalistisches Onlineportal  will nicht allzu viel auf den Dokumentarfilm geben:

„Bevor wir beginnen, eine weitere Front im Kampf gegen das Oberhaupt der Kirche zu eröffnen, sollten wir abwarten, bis wir die vollständige Erklärung des Papstes sehen. ... Der Papst ändert seine Position nicht in losen Medienerklärungen. Die Lehre kommt in Dokumenten zum Ausdruck, die die Gemeinschaft der Kirche binden. Es ist offensichtlich, dass es viele Einflüsse gibt, einschließlich der freimaurerischen, die stark daran interessiert sind, den Kurs zu ändern. Sie tun ihr Bestes, um einzelne Aussagen von Franziskus zu verzerren und den Eindruck eines institutionellen Wandels zu erwecken. Bevor wir dem erliegen, bleiben wir bitte bei den Fakten.“

Avenire: Keine Gleichstellung mit der Ehe.
Für die katholische Tageszeitung bedeutet dies allerdings nicht, dass Ehe und Zivilunion gleichrangig sind:

"Die Worte des Papstes zur Homosexualität erstaunen nur diejenigen, die seine Interventionen der letzten Jahre vergessen. ... Etwa die ausführliche Äußerung in dem nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia [Die Freude der Liebe, 2016], in der er unter anderem schreibt, 'dass jeder Mensch, ungeachtet seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll'. ... Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass er im folgenden Absatz bekräftigt, dass es keine Grundlage für Pläne zur Gleichstellung von Ehe und homosexuellen Partnerschaften gibt. … Die Akzeptanz homosexueller Menschen wird von ihm nie in Opposition zur Wahrheit der heterosexuellen Familie gesehen.“

LA REPUBBLICA: Franziskus erkennt die Zeichen der Zeit.
Der Theologe und Philosoph Vito Mancuso hält in der liberalen italienischen Tageszeitung die Worte des Papstes für bahnbrechend:

„Er nimmt einen unaufhaltsamen Prozess zur Kenntnis, der sich auf globaler Ebene vollzieht: Der homosexuellen Liebe wird die gleiche Würde wie der heterosexuellen zugeschrieben. In diesem Sinne stellen seine Worte einen Sieg der Vernunft dar. Für den Papst dürfte es nicht leicht gewesen sein, sie auszusprechen. … Aber indem er dies tut, beweist er seine geistige Aufgeschlossenheit, seinen persönlichen Mut, sein Urteilsvermögen und die Fähigkeit zur Prophetie. In der Tat geht es darum, die 'Zeichen der Zeit' zu lesen, wie das Evangelium mahnt, und das untrügliche Zeichen unserer Zeit ist die Notwendigkeit, die doktrinären Verschließungen der Vergangenheit zu überwinden, um die Liebe von der bloßen Verkündigung zur gelebten Realität für alle werden zu lassen.“

Quellle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/22.10.2020
 
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