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Richtig testen - aber wie? Drucken E-Mail
Die rasante Zunahme der Infektionszahlen und die gleichzeitig immer bessere Verfügbarkeit verschiedener Corona-Tests befeuern die Diskussion darüber, welche Rolle die richtige Teststrategie im Kampf gegen die Pandemie spielt. Aufsehen erregte hier mit ihren Plänen die Slowakei. Doch bereits in den Kommentarspalten gehen die Meinungen darüber, wie am klügsten getestet wird, auseinander.

Krytyka Polityczna: Jede Strategie ist sinnlos ohne Solidarität.
Polens linksorientiertes Onlineportal fürchtet, dass eine gute Teststrategie nicht reichen wird:


„Der Druck der Arbeitgeber auf die Arbeitnehmer, keine Tests durchzuführen, die Behörden nicht über Kontakte mit infizierten Personen zu informieren und sich nicht in Quarantäne zu begeben, gilt für viele Branchen. ... Unabhängig davon, ob die Effizienz des Testsystems gesteigert werden kann, werden wir die Pandemie nicht ohne eine absolute Solidarität der Arbeitgeber überwinden. Leider macht uns die Regierung die Dinge nicht einfacher und bietet nur einigen Branchen Hilfe an. Sie unternimmt auch nichts gegen die Krankheiten des Systems, die Polen seit Jahren plagen - wie die vielen Junk-Verträge oder die Ineffizienz des Gesundheitssystems. Das endet gerade tödlich.“

Diena: Von wegen gezielt.
In Lettland hat Gesundheitsministerin Ilze Vinkele angekündigt, dass Covid-Tests künftig nur noch auf ärztliche Anweisung möglich sind. Das findet die liberale Tageszeitung völlig unverständlich:

„Die WHO und andere anerkannte Institutionen sagen klar, dass sich das Virus 'leise' verbreitet, dass ein Infizierter andere anstecken kann, bevor er Symptome bekommt, ja dass er sogar symptomfrei bleiben kann. Die Ministerin spricht von 'gezieltem Testen' und ihr Ministerium behauptet, das Ziel der Strategieänderung sei nicht, die Anzahl der Tests zu reduzieren, sondern die Warteschlangen für die zu verkürzen, die so schnell wie möglich einen Test benötigen. Wenn dem Staat die Ressourcen fehlen, sollte dies auch so kommuniziert werden. Angst vor politischem Versagen und Vorwürfen, dass wir nicht auf die zweite Covid-Welle vorbereitet waren, ist verständlich. Aber es geht im Moment nicht um politische Risiken.“

DNEVNIK: Vorsprung durch Schnelligkeit.
Bulgariens liberal-konservatives Onlineportal setzt große Hoffnungen auf frei in Apotheken zugängliche Corona-Tests mit Sofortergebnis:

„Die neuen Tests wären, wenn sie denn demnächst auf den Markt kämen, viel billiger und schneller als PCR-Tests. Sie würden nicht nur das Reisen von einem Land in ein anderes leichter machen, sondern ermöglichen, eine Infektion früher zu erkennen und mit der Behandlung zu beginnen, bevor Komplikationen auftreten. Sie würden es auch ermöglichen, flächendeckende Lockdowns zu vermeiden, da Infektionsherde durch Massentests und Kontaktverfolgung schneller neutralisiert werden könnten.“

Mehr Freiheiten, weniger Schäden.
Regelmäßige Tests sollten ein Leben mit weniger Einschränkungen ermöglichen, fordert die Schweizer liberal-konservative Tageszeitung:

„Selbst die einfachsten ökonomischen Überschlagsrechnungen zeigen, dass sich viel häufigeres Testen volkswirtschaftlich lohnen würde, weil sich damit die Pandemie eingrenzen und die Schäden verringern lassen. ... Wem regelmässige Schnelltests bescheinigen, dass er nicht ansteckend ist, der sollte seine Angehörigen in Heimen ungehindert besuchen oder ältere Menschen pflegen, physisch an reale Veranstaltungen in der Uni gehen oder eben auch losfliegen dürfen. ... Jetzt, wo die zweite Welle die Bevölkerung verschreckt, wäre es höchste Zeit für eine neue, deutlich offensivere Teststrategie.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/30.10.2020
 
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