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Biden: Wird internationale Politik friedlicher? Drucken E-Mail
Die Erleichterung über die Wahl Bidens ist groß in Europa. Doch nur wenige Tage nach der Entscheidung verhängte die EU am Montag Strafzölle gegen die USA, ein Indiz dafür, dass die Interessen über den Atlantik hinweg weiterhin auseinandergehen dürften. Daher fragen sich auch Kommentatoren, was der Machtwechsel im Weißen Haus für die internationale Politik bedeutet.

Krytyka Polityczna: Zeit zum Aufwachen.
Für die EU wird es jetzt nicht zwangsläufig gemütlicher, prophezeit Polens links ausgerichtetes Onlineportal:


„Während jegliche Verständigung mit Trump an der Spitze der amerikanischen Politik praktisch unmöglich war, kann man sich kaum vorstellen, dass die Europäer Biden eine Absage erteilen, wenn er sie an den Verhandlungstisch einlädt. Das ist nicht nur eine neue Verpackung, das ist ein grundlegender qualitativer Unterschied. Paradoxerweise könnte die Biden-Regierung daher eine größere Herausforderung für Europa darstellen als die scheidende Regierung. Es wäre für uns Europäer lohnenswert, unsere Fehler aus der Obama-Ära in dieser Situation nicht zu wiederholen. Damals haben wir im Grunde alle Forderungen nach größerer Zusammenarbeit verschlafen.“

G4Media: Alter Wein in neuen Schläuchen.
Europa sollte nicht allzu viel vom neuen US-Präsidenten erwarten, meint Rumäniens Onlineportal:

„In vielen Fragen der Außenpolitik wird es eine Art Fortsetzung des Kurses seines Vorgängers geben. Die zurückhaltende Haltung der USA in militärischen Fragen wird sich unter der neuen Führung im Weißen Haus nicht ändern. Im Gegenteil, Biden hat bereits in der Amtszeit von Obama für einen schnellen Abzug der US-Truppen aus dem Irak plädiert. So wie für Trump wird auch für Biden Europa nicht der wichtigste außenpolitische Bereich werden. Washington schaut vor allem Richtung Asien und sieht im Aufstieg Chinas die größte Bedrohung für die Sicherheit und den Wohlstand Amerikas.“

Fakti.BG: Aufatmen im Kreml.
Russland dürfte froh sein über die Abwahl Donald Trumps, meint Bulgariens Onlineportal:

„Biden wird die antirussische Rhetorik intensivieren, schreiben die internationalen Medien. Das Problem ist, dass bei ihm alles auf der Ebene der Rhetorik bleiben wird. Im Gegensatz zu Trump, der überhaupt nichts gegen Russland sagte, dafür aber handelte: Er hat buchstäblich die russischen Geheimdienste aus dem Balkan verjagt. Er brachte die US-Marine ins Schwarze Meer und bereitete sich darauf vor, hier einen Quasi-Marinestützpunkt zu errichten. … Er war im Begriff, die russische Energiemacht in Europa zu zerstören und er brachte viele Nato-Staaten dazu, für ihre Verteidigung zu zahlen anstatt für abstruse sozialistische Programme.“

El País: Gegenwind für Netanjahu.
Der Machtwechsel im Weißen Haus dürfte Israels Siedlungspolitik einen Riegel vorschieben, meint Spaniens linksliberale Tageszeitung:

„Fundamentalistische Juden, die die Bibel statt legaler Besitzurkunden benutzen, um palästinensische Gebiete zu besiedeln, dürften es schwer haben, von der Biden-Regierung den aus den vergangenen vier Jahren gewohnten Rückhalt zu erhalten. Von dem unter Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, erschaffenen Friedensplan bleibt übrig, was Israel bereits erreicht hat: die diplomatische Anerkennung durch die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Sudan. Das ist nicht wenig, vor allem, wenn man den Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem hinzufügt sowie die Anerkennung der israelischen Souveränität in den von Syrien eroberten Golanhöhen.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/10.11.2020
 
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