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Polen lehnt Corona-Hilfe aus Deutschland ab Drucken E-Mail
  Eine Woche nach der Verhängung eines Teil-Lockdowns hat Polens Gesundheitsministerium einen Höchststand an neuen Corona-Todesfällen gemeldet. Innerhalb von 24 Stunden seien 548 Menschen gestorben, die  Gesamtzahl der Todesfälle ist damit auf mehr als 10.000 gestiegen. Wie prekär die Lage ist, zeigt die Zahl der Neuinfektionen mit 25.571 Fällen. Deutschland mit mehr als der doppelten Einwohnerzahl meldet knapp 22.000 Neuinfektionen. Die Notsituation in Polen veranlaßte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,  seinem Amtskollegen  Andrzej  Duda in einem sehr persönlichen Brief Hilfe anzubieten. Nicht nötig, wurde geantwortet.

„Dort, wo unsere medizinischen Kapazitäten national an ihre Grenzen stoßen, sollten wir uns so weit wie möglich gegenseitig helfen. Bitte lass mich wissen, wenn es Dinge gibt, die wir für Polen in der aktuellen Lage tun können.“, soll Steinmeier laut dem Boulevardblatt BILD mitgeteilt haben.

Dudas Antwort scheint BILD ebenfalls zugesteckt worden zu sein: Danach werde er (Duda) „falls erforderlich auf das Angebot zurückkommen und eng mit Deutschland zusammenarbeiten“. Daraus wird nichts, nennt BILD nun einen „Skandal“ – und auch in polnischen Medien wird aufgeregt kommentiert.

Deutsch-polnische Angelegenheiten nämlich obliegen nicht der Kompetenz Dudas, sondern werden von Jaroslaw Kaczynski entschieden. Als  Chef der regierenden PiS-Partei und Vize-Präsident der Regierung geht nichts ohne seine Zustimmung. Sein Verhältnis zu Deutschland  ist gelinde gesagt nicht zu unterkühlen. Er vermeidet gegenseitige Kontaktaufnahmen, sondern läßt Kritik an Deutschland über Medien verbreiten.

Auf Steinmeiers Hilfsangebot hat er im Boulevardblatt „Fakt“ die polnische Ärztin Joanna Lichocka antworten lassen. „Fakt“ ist Polens auflagenstärkste Tageszeitung, ein vom Springer-Verlag herausgegebener BILD-Klon, die Ärztin Lichocka Parteimitglied der PiS. Und sie wird in Fakt u.a. zitiert: „Sollen doch die deutschen Herren während der Pandemie polnische Ärzte, die im deutschen Gesundheitswesen arbeiten, nach Polen schicken.“ und „Deutsche Behörden sollen betroffenen Ärzten Urlaubsgeld für ihren Einsatz in der polnischen Heimat bezahlen.“

Damit liegt sie ganz auf Kurs mit  Äußerungen von Kaczynski, der Ärzte, die ihr Land verlassen haben, um in EU-Ausland zu arbeiten, „Landsleute der schlechten Sorte nennt“ – und auch von  „faulen Äpfeln“ spricht, die dem Vaterland schaden, statt daheimzubleiben und die Nation zu stützen.

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, ebenfalls PiS-Parteimitglied, hält sich aus der
verbalen Attacke gegen das deutsche Hilfsangebot heraus: Polen geht es gut und hat die Corona-Pandemie unter Kontrolle, sagt er gebetsmühlenartig.


Quellen: Bild/DPA/Gazeta Wyborcza/ds/16.11.2020
 
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