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„Family 500 Plus“: Problem mit erfolgreichem Slogan Drucken E-Mail
  Mit einem Bündel neuer Sozialpakete war die PiS-Partei 2015 in den Wahlkampf gezogen – und siegte, obwohl ihr Wirtschaftsexperten unbezahlbare Versprechen vorgehalten hatten. „Family 500 Plus“ erwies sich als Flagschiff der Sozialpakete, eine monatliche 500 Zloty-Zahlung an Familien für das erste Kind. Das „Plus“ im Slogan steht für eine Ausweitung der Zahlung, entweder mehr für das erste Kind und/oder abgestufte Zahlungen je nach Familienzuwachs. Die Kritiker blieben dabei, dass es sich um eine Mogelpackung handle, die das Staatsbudget nicht hergeben könne; ihre Schätzungen beliefen sich jährlich auf umgerechnet rund neun Milliarden Euro. Doch die PiS-Regierung behielt Wort und begann schnellstmöglich mit der Kindergeldzahlung. Dabei legte sie noch mit zwei Argumenten nach: das Kindergeld würde in den Konsum fließen sowie dazu beitragen, die geringe Fertilitätsrate zu erhöhen. Nach knapp fünf Regierungsjahren ist der Jubel um das Flagschiff „Family 500 Plus“ ruhiger geworden.

Das Kindergeld wird zwar begrüßt, aber laut Untersuchungen großteils zweckentfremdet ausgeben für häusliche Anschaffungen wie TV-Geräte, Computer und Möbel.

Die Fertilitätsrate des Landes ist nicht gestiegen, sie ist weiterhin deutlich höher bei im Ausland lebenden Polen*innen.

Der Slogan „Family 500 Plus” bereitet der Regierung zunehmend Probleme., denn seit Beginn der Kindergeldzahlung ist die Inflationsrate um 38 Prozent gestiegen. Eurostat zufolge sind in den vergangenen vier Jahren die Preise in den meisten EU-Ländern gefallen. Polen indes gehört zu den wenigen Ländern, wo die Preise noch immer steigen.

Die regierungsnahe Wirtschaftszeitung Dziennik Gazeta Prawna kam nicht umhin, in einem Aufmachmer vorzurechnen, dass die durchschnittliche polnische Familie heute  trotz Familiengeld  über weniger Kaufkraft verfügt, als im April 2016 -  dem Antrittsmonat der PiS-Regierung.

Entsprechend hält sie den Slogan „Familiy 500 Plus“ für maßlos übertrieben: „Family 388“ wäre eine realistische Angabe. Und zwar ohne „Plus“.


Quellen: Dziennik/Gazeta Prawna/Eurostat/ds/25.11.2020
 
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