Home arrow Wirtschaft arrow Trotz US-Sanktionen Fertigstellung von Nord Stream 2
Trotz US-Sanktionen Fertigstellung von Nord Stream 2 Drucken E-Mail
  Im Dezember 2019 fehlten der insgesamt 2360 Kilometer langen deutsch-russischen Gaspipeline die letzten 160 Kilometer  zur Anlade- und den Verteilerstationen in der Ostsee-Gemeinde Lubmin. Von hier aus sollen künftig pro Jahr  55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland gepumpt werden mit Ableitungen nach Polen, Lettland und Tschechien. Am Projekt beteiligt sind Russlands Staatskonzern Gazprom mit Mehrheit und ein Konsortium internationaler Konzerne aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf etwa 9,5 Milliarden Euro. Von Beginn an war Nord Stream 2 höchst umstritten, Kritik kam vor allem aus Polen, Lettland und der Ukraine. Überzeugt hat sie nicht.

Europa dürfe sich nicht abhängig machen von russischen Gaslieferungen, warnten die osteuropäischen EU-Länder – ohne ernst genommen zu werden. Das änderte sich allerdings kurzweilig, als Donald Trump auch eine Gefahr  für die USA reklamierte und den sofortigen Stopp des Weiterbaus mit der Drohung forderte, andernfalls  er massive Sanktionen verhängen würde.

Ein Jahr  ist das her, die Bauarbeiten ruhten – und werden Anfang Dezember wieder aufgenommen, gab ein Sprecher von Nord Stream 2 den deutschen Radiosendern NDR und MV bekannt. Hier ein Überblick der Interessenlagen:

Polen: Russland stellt seit langem den Hauptgaslieferanten für das Land dar, der Vertrag mit dem russischen Energiekonzern Gazprom läuft jedoch im Jahr 2022 aus. Danach sollen Gaslieferungen aus dem Projekt Baltic Pipe kommen, an dem Polen führend beteiligt ist und das 2023 fertiggestellt sein soll. Partner sind Norwegen und Dänemark. Norwegisches Erdgas soll über Dänemark und die Ostsee nach Polen geleitet werden, von dort auch in die Ukraine und möglichst andere EU-Staaten. Damit wäre Polen komplett unabhängig von russischem Gas und würde seine Rolle in der EU stärken. Die Kosten für die Baltic Pipe belaufen sich auf rund 280 Millionen Euro, die EU ist mit Fördergeldern daran beteiligt.

Warnungen kommen allerdings von Geologen, dass die Gasvorkommen in Norwegen bals erschöpft sind.

Ukraine: Das Land war wie Polen Transitland für russisches Gas und bezog dafür Schätzungen zufolge jährlich rund zwei Milliarden Euro. Die Beziehungen Russland-Ukraine sind kriegsbedingt (Krim)  äußerst problematisch. Russland hat bereits vor der Krimkrise den Gastransport durch die Ukraine zeitweise gedrosselt wegen offener Rechnungen und dem Vorwurf, das Rohrleitungen angezapft worden sind. Das Land wird von Lieferungen aus Polen abhängig sein.

USA: US-Präsident Donald Trump hat mit Regierungsantritt die EU zu höherer finanzieller Kostenbeteiligung in für die USA wichtigen Weltangelegenheiten aufgefordert. Besonders Deutschland wurde scharf angegangen wegen zu geringer Kostenbeteiligung an den NATO-Ausgaben.

Mit der Verlegung von US-Truppen nach Polen machte er demonstrativ deutlich, dass Deutschland den USA gegenüber nicht den Respekt zeigt wie ihn Polen leistet.Dabei nahn er schnell die Kritik Polens an Nord Stream 2 auf und verhängte Sofortsanktionen gegen schweizerische Unternehmen, die mit ihren Verlegeschiffen für die  Umsetzung des Pipelineprojekts Nord Stream 2 unersetztbar waren. Die Unternehmen knickten ein vor der Drohung, sonst keine Aufträge mehr  in den USA zu erhalten. Die Bauarbeiten wurden eingestellt.

Mti der  nächsten  Warnung gegen Nord Stream 2 hielt Trump Deutschland vor, Europas Energieversorgung und Sicherheit zu gefährden, indem es  russische Gaslieferung fördert und damit  die militärische Aufrüstung mitfinanziere. Deutschland solle stattdessen Vorbildfunktion für die EU-Staaten zeigen, indem es Gas aus den USA bezieht.

Dabei handelt es sich um das so genannte Fracking-Gas, bei dessen Förderung die Landschaft ruiniert und toxisch belastet wird. Zudem sind für Abnehmer spezielle Transportschiffe und  LNG-Terminals  erforderlich. Fracking-Gas ist teurer, wird aber von Polen und den baltischen Staaten unterstützt, um unabhängig von „russischem Gas“ zu sein.

Währenddessen  steht Fracking-Gas  selbst in den USA zunehmend  in der Kritik. Das selbsternannte Verkaufsgenie Donald Trump konnte Europa nicht über den Tisch ziehen, im Gegenteil: Die USA sind mittlerweile zweitgrößter Importeur russischen Erdöls, weil es sich besser verkauft.

Die letzte Rohrverlegung  zur Anlade- und Verteilerstation in Lubmin dürfte Mitte 2021 abgeschlossen sein. Ein Kilometer Rohre werden pro Tag verlegt.


Quellen: NDR1/Agenturen/ds/29.11.2020
 
< Zurück   Weiter >
(C) 2021 www.polentoday.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.