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Nawalny-Proteste: Woher rühren sie, wohin führen sie? Drucken E-Mail
Von den russlandweiten Kundgebungen für die Freilassung Nawalnys - trotz Versammlungsverbot und eisigen Temperaturen - zeigen sich Kommentatoren nach wie vor beeindruckt. Sie erklären, wie die Ukrainer die Proteste bewerten, warum es in Russland weiter brodeln wird und was es mit Putins jüngstem Auftritt in einer Uni auf sich hat.

Echo Moskwy: Völlig klar, dass es knallt.
Der Krimi-Autor Boris Akunin sieht im liberalen russischen Onllineportal den Kern des Konfliktpotentials in Russland in der Unterdrückung echter parlamentarischer Opposition:

„In einem problematischen Land wird es immer Opposition geben. Sie wird der Staatsmacht unangenehme Fragen stellen und Vorwürfe machen. Wenn es viele solcher Leute gibt und man sie nicht in die Parlamente lässt, dann gehen sie auf die Straße. ... Wenn dann grobe Gewalt angewendet wird, voller Härte und Ungerechtigkeit, bringt das immer mehr Leute gegen die Staatsmacht auf. ... Die Angst stumpft die Menschen ab und verwandelt sich ihrerseits in Verhärtung. Früher oder später kommt es zum Knall - immer. Hört doch auf, Nawalny als Kriminellen darzustellen. Er ist keiner, er ist nur der Oppositionsführer. Registriert endlich seine Partei. ... Soll sie ihre Fragen doch im Parlament stellen und nicht auf der Straße.“

Rzeczpospolita: Studententalk statt Trollarmee.
Putins bewährte Propaganda-Waffen funktionieren nicht mehr, kommentiert Polens liberal-konservative Tageszeitung.

„Junge Leute sehen nicht fern, lesen keine Zeitungen und verfolgen die Botschaften der führenden Propagandisten nicht. Sie kennen Nawalny und andere unabhängige Vlogger (der 34-jährige Juri Dud hat über acht Millionen Abonnenten auf YouTube), weil diese ihre Sprache sprechen und in ihrer Welt leben. Der Kreml wird in naher Zukunft um sie kämpfen müssen, denn Jugendproteste haben bereits viele Führer gestürzt. Die Trollarmee ist gescheitert, daher nimmt Putin die Angelegenheit selbst in die Hand. Am Montag sprach er, einer der mächtigsten Menschen der Welt, mit Studenten russischer Universitäten und versuchte fast sechs Minuten lang zu erklären, dass der Palast nicht ihm gehöre.“

Zwischen Empathie, Arroganz und Resignation.
NV: Die Ukraine ist gespalten in ihrer Sicht der russischen Oppositionsbewegung, beschreibt die liberale Wochenzeitung:

„Für die einen zeigen die Proteste, dass in Russland der gesunde Menschenverstand und die große Unzufriedenheit mit dem Regime Wladimir Putins lebendig sind. Andere meinen, den Protesten fehlten die Massen, sie würden sich zu sehr vom Kyjiwer Maidan 2013/2014 unterscheiden. War man in der Ukraine gegenüber den Protesten in Belarus sehr empathisch und bereit, viel Solidarität zu zeigen, sieht man auf die russischen Proteste eher von oben herab. ... Wiederum eine andere Gruppe glaubt, dass man allmählich das Interesse an der ganzen Geschichte mit Nawalny verlieren sollte. … Diese Leute meinen, wenn Nawalny die politische Situation in Russland hätte ändern können, hätte er das doch schon längst getan.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/27.01.2021
 
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