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Zeit mit dem Minderwertigkeitskomplex zu brechen Drucken E-Mail
  Der Chefredakteur der Denkfabrik S&F (Strategy & Future) schreibt über das Phänomen des mangelnden Selbstvertrauens der polnischen Kultur in Strategie, Geo- und internationale Politik sowie Sicherheitsfragen. Das staatliche Onlineportal PolskieRadio geht in einem Special auf Aussagen des Chefresakteurs  Jacek Bartosiak ein.

Strategy & Future: Warum?

Die Verzögerung in der polnischen Fachwelt, aber auch weiten Teilen der Bevölkerung, betrage mindestens zwei Jahre. So lange dauere es, schreibt Jacek Bartosiak, bis man in Polen wichtige Debatten im Westen wahrnehme, die in Fachzeitschriften diskutiert werden, bevor sie auch in Polen zum Thema werden. Erst eine Bestätigung durch "jemanden von dort", aus dieser "besseren" westlichen Welt, schreibt der Autor, verleihe Polen den Eindruck, dass etwas wirklich wichtig sei.

Warum, fragt Bartosiak, habe Polen fast nie selbst etwas Originelles zu sagen und kopiere oft fremde Sichtweisen in strategischen Angelegenheiten? Wie wir lesen, habe das Expertenkreise im Westen dazu gebracht, zu glauben, dass sie Polen intellektuell (und damit politisch und strategisch) lenken.

Franzosen, Deutsche oder Amerikaner, fährt Bartosiak fort, seien unbewusst davon überzeugt, dass Polen ihnen unterlegen seien und ihr Denken von geringerer Qualität sei.
Nur Wissen und unabhängiges Denken, heißt es weiter, wecken in der Welt Respekt unter engen Verbündeten, Freunden oder Geschäftspartnern. Eine solche Einstellung führe dazu, dass sie anfangen, normal mit Polen zu sprechen.

Ein Mangel an Selbstachtung verursache auch, dass Polen von seinen Feinden und Konkurrenten verachtet werde.

Russen sollen deshalb, dem Autor nach, Polen für unwürdig halten, um mit ihnen überhaupt zu sprechen. Türken andererseits sollen sich fragen, welchen Nutzen Polen eine solche Haltung einbringe.

Daher sei es höchste Zeit, postuliert Bartosiak, mit dem polnischen Minderwertigkeitskomplex zu brechen. Der Westen liege nämlich sehr oft falsch mit seinen Prognosen.

Er habe zum Beispiel nicht nur die Entwicklung Chinas falsch eingeschätzt, sondern auch den rapiden Aufstieg Polens nach dem Fall des Kommunismus. Polen seien zwar immer noch nicht ganz zufrieden. Sie hätten immer noch das bedrückende Gefühl, dass der Staat ihren Ansprüchen nicht gerecht werde und die Effizienz seiner Institutionen deutlich hinter der Gesellschaft zurückbleibe, die sich schon seit 30 Jahren modernisiere.
 Wie der Autor glaubt, führe dies zu einer tiefen Frustration.

Dennoch habe Polens Gesellschaft, trotz aller Schwierigkeiten, es "geschafft". Und genau deshalb sei es höchste Zeit, diese Etappe zu schließen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Andernfalls, lautet Bartosiaks Fazit, werde die Außenwelt, in einem Zeitalter des erneuten Wandels, Polen wieder Veränderungen aufzwingen.

Quelle: PolskieRadio/ds/31.03.2021
 
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