Home arrow Panorama arrow Die EU und das Impfdebakel: Kaum anders zu erwarten?
Die EU und das Impfdebakel: Kaum anders zu erwarten? Drucken E-Mail
Mitte Januar hatte die EU-Kommission ehrgeizige Ziele verkündet. Demnach sollten bis März mindestens 80 Prozent der Menschen über 80 sowie in Gesundheits- und Sozialberufen geimpft sein. Nun ist klar: Bis Ende März haben EU-weit nur knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Dosis bekommen. Diesen Misserfolg auf die Bürokratie zu schieben ist naheliegend – aber ist es auch gerechtfertigt?

Gazeta Wyborcza: Amtsschimmel allerorten.
Der Aufwand für eine einzelne Impfung ist in der EU viel zu hoch, kritisiert Polens linksliberale Tageszeitung:

„In den EU-Ländern werden Impfstoffe weiterhin hauptsächlich in Krankenhäusern und in speziellen Impfzentren verabreicht, für die strikte Anforderungen gelten. Darüber hinaus können Patienten häufig erst dann einen Impftermin vereinbaren, wenn sie eine spezifische, zentral oder regional vergebene Einladung erhalten. Hinzu kommen die aufwändige Online-Registrierung, die lange Wartezeit auf den Impftermin und die komplizierten Formulare, die man an den Impfstellen ausfüllen muss. Dabei drängt die Zeit, denn während in den USA und Großbritannien die Zahl der Infektionen und Todesfälle dank der Impfungen stark abnimmt und Beschränkungen aufgehoben werden, kämpfen die EU-Länder mit dem Höhepunkt der dritten Pandemiewelle.“

Le Figaro: Europa verkennt seine Power.
Außen- und Selbstwahrnehmung der EU stimmen nicht überein, erklärt Geopolitik-Berater Jérémie Gallon in Frankreichs liberal-konservativer Tageszeitung:

„In Washington, Neu-Delhi, Ottawa, Canberra oder Brasilia nimmt man die Europäische Union als große normative Macht wahr. ... Leider ist diese normative Macht der EU, um die sie ein Teil der Welt beneidet, die soft power, die sie ausübt, um ihre Interessen und Werte durchzusetzen, der großen Mehrheit unserer Mitbürger nicht bekannt. ... Während Regierungen in der ganzen Welt die Fähigkeit der Europäischen Kommission bewundern, Experten zu mobilisieren, die in der Lage sind, sich mit den komplexesten Fragen zu befassen, und dabei mit weniger Beamten als die Stadt Paris auszukommen, sehen unsere Mitbürger sie als bürokratische Maschinerie, die nicht in der Lage ist, eine effektive Impfkampagne zu organisieren.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/07.04.2021
 
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