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Nord Stream 2: Polen will Druck auf USA erhöhen Drucken E-Mail
 US-Präsident Joe Biden hat seinen Sanktionskatalog gegen das deutsch-russische Pipeline-Projekt zum Verdruß von Polen am Dienstag wieder in die Schublade gelegt. Polen indes gibt nicht auf, sondern will den Druck auf Biden erhöhen – „zusammen mit osteuropäischen Partnerländern“, erklärte Vize-Außenminister Pawel Jablonski im regierungsnahen TV-Sender Telewizja Republika.

Die rund 1.200 Kilometer lange Pipeline führt von Russland durch die Ostsee direkt nach Deutschland und ist zu 94 Prozent fertiggestellt. Mit Umgehung von Polen und der Ukraine  entfallen für den Betreiber Gasprom erhebliche Durchleitungsgebühren. 

Auch Donald Trump  zeigte sich sanktionswillig gegen das Projekt, dachte dabei aber an den Verkauf von Schiefergas, dass in den USA in Übermengen  und  unter rücksichtslosen Umweltzerstörugen gefördert wird zu vergleichsweise höherem Preis. Doch Trump fand keinen Türöffner ins Berliner Regierungszentrum, wo Kanzlerin Merkel eisern Nord Stream2 zum reinen Wirtschaftsschaftsprojekt  erklärte. Der russische Staatsmonopolist Gazprom hält 51 % Anteile, die deutschen Energieversorger  Winterhall und EON jeweils 20 % und die niederländische Gasunie  9 %.

Trump-Nachflolger Joe Biden hat seiner zukünftigen Politik neue Prioritäten gesetzt. Er will dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten und  fokussiert sich mehr auf den asiatischen Raum. Mißtöne aus Berlin passen ihm nichts ins Konzept.

Polen indes gibt nicht nach, es will Nord Stream 2 auch kurz vor der Komplettierung nach fünfjähriger Bauzeit und  rund zehn Milliarden Kosten verhindern.

„Wir haben eine klare negative Einschätzung zur Nord Stream 2 und  werden nicht davon ablassen, Druck auf die USA auszuüben, ihre Entscheidung umzukehren, sagte Jablonski dem TV-Sender.

Und weiter: „Wir können uns sehr effektiv durchsetzen, wenn wir als Länderalllianz für die Interessen unserer Region auftreten und  deutlich machen, dass ddas Piepeline-Projekt für unsere Region eine Gefahr darstellt.

Jablonski meint, Nord Stream 2 sei  auch in der heutigen Endphase komplett zu verhindern.

Etwa zum Jahresende sind die letzten Kilometer verlegt, dann sollen jährlich 55 Millionen Kubikilometer Gas von Russland nach Deutschland durch die Pipeline fließen.

Bisher war Russland immer ein zuverlässiger Handelspartner, antwortet die deutsche Regierung auf polnische Kritik. Und gäbe es tasächlich mal ernsthafte Probleme, könne Deutschland jederzeit den Hahn zudrehen.

Polen befürchtet, dass Nord Stream 2 die strategische und wirtschaftliche Bedeutung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer schwächen könnte.Zudem richtet sich der Vorwurf an Deutschland, dass es sich zu sehr von  russischem Gas abhängig mache. Kritisch sehen insbesondere östliche EU-Staaten das Unterfangen. Polen und die Ukraine als bisherige Transitländer für Gaslieferungen befürchten eine Schwächung.

Quellen: IARPAP//Nord Stream/ds/27.05.2021
 
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