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Wozu führen die Spekulationen über Corona-Ursprung? Drucken E-Mail
Das Wall Street Journal hat die Theorie befeuert, dass Sars-Cov-2 aus einem chinesischen Labor stammen könnte. Grundlage ist ein unveröffentlichter US-Geheimdienstbericht. Demnach habe es schon im November 2019 auffällige Erkrankungen bei Mitarbeitern des Wuhan Institute of Virology gegeben. US-Präsident Biden forciert nun die Aufklärung und will neue Geheimdienst-Untersuchungen sowie einen Bericht binnen 90 Tagen.

La Repubblica:Wettstreit der Komplotte
Die Forderung, erneut über den Ursprung des Virus zu ermitteln, befeuert Verschwörungstheorien, schreibt Italiens linksliberale Tageszeitung:
 

„Nach Ansicht der US-Regierung wurde die Arbeit der WHO-Experten von der chinesischen Regierung so stark beeinflusst, dass sie völlig unglaubwürdig ist. Kontraproduktiv ist diesbezüglich die starre Haltung von Xi Jinping. ... Bidens Forderung konterte Peking gestern mit Andeutungen 'dunkler Geschichten' der Geheimdienste, die von dem Wunsch getrieben seien 'die Pandemie für Stigmatisierung, politische Manipulation und Verleumdung zu nutzen'. Gleichzeitig bringt die chinesische Regierung zunehmend ihre eigene 'Gegenverschwörungstheorie' über angebliche ausländische Ursprünge in Umlauf, um den Spieß umzudrehen.“

El Periódico de Catalunya: Biden markiert den starken Mann
Dass Biden nun die Geheimdienste einspannt, hat für wenig mit Gesundheitspolitik zu tun, meint die linksliberale katalanische Tageszeitung:

„Selbstverständlich sollte man klären, ob sich die Ansteckung direkt zwischen Tier und Mensch im öffentlichen Raum ereignete oder ob es sich um eine Sicherheitslücke in einem Labor in Wuhan handelte. Aber die Eile, mit der der US-Präsident nun den Bericht anfordert, beflügelt eher die Annahme, dass es hier um einen auf allen Ebenen geführten Kampf um die Vorherrschaft geht. Und es fördert die Annahme, dass Joe Biden, wenn er am 16. Juni in Genf Wladimir Putin trifft, sich der internationalen Staatenwelt mit jener harten Haltung präsentieren möchte, die die Konservativen im Lande ihm nicht zutrauen.“

RZECZPOSPOLITA: China droht Ansehensverlust
Für Peking steht durchaus etwas auf dem Spiel, kommentiert Polens liberal-konservative Tageszeitung:

„In der Politik, insbesondere, wenn es um Macht geht, spielt die Moral keine große Rolle – da müssen wir uns nichts vormachen. Aber für China – eine Macht, die effektiver und dadurch für viele attraktiver ist als der Westen – ist das Image wichtig. Und das könnte nun stark leiden.“

Wochenzeitung: Hinweise sprechen dafür
Es ist tatsächlich wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 nicht natürlichen Ursprungs ist, meint die Schweizer linksliberale Wochenzeitung:

„Für die Zoonose genannte natürliche Herkunft spricht nur, dass frühere von Fledermäusen stammende Coronaviren zuerst Tiere befielen. Obwohl China in 31 Regionen über 80.000 Wildtiere untersuchen liess, wurde bisher in keinem einzigen Sars-CoV-2 nachgewiesen. … Die Laborthese stützen hingegen viele Indizien. So wurde in Wuhan in zwei Labors mit zweifelhaftem Sicherheitsausweis an neuartigen Coronaviren geforscht. Nach dem Ausbruch der Epidemie wurden chinesische Virenforscher mundtot gemacht und ihre Aufsätze vom Internet entfernt. Nicht einmal die WHO-Untersuchungskommission erhielt Zugang zu Dokumenten, die offene Fragen klären könnten.“

THE TIMES: Keine Aufgabe für Agenten
Die Frage, woher das Virus kommt, muss von Wissenschaftlern geklärt werden, findet Großbritanniens konservative Tageszeitung:


„Donald Trumps Unterstützer begrüßen die aktuelle Entwicklung, weil sie seine Entscheidung rechtfertigt, zu untersuchen, ob das Coronavirus aus dem Labor entkommen ist. Gestern bat die Biden-Regierung die Geheimdienste, die Bemühungen zu 'verdoppeln', um die Ursache für den Ausbruch aufzudecken. Die Wissenschaft ist jedoch das einzige Kriterium, das zur Beurteilung des Ursprungs des Virus herangezogen werden darf und bislang stützen die epidemiologischen und molekularen Beweise die Theorie eines 'Laborlecks' nicht. Aber die Geheimnistuerei und die Beschimpfungen aus Peking erschüttern das Vertrauen. China muss reinen Tisch machen und Überprüfungen zulassen.“

Handelsblatt: Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen
Jetzt würde nur totale Transparenz helfen, schreibt die wirtschaftsliberale Tageszeitung:

„Das Reich der Mitte müsste internationalen Virologen, Immunologen, Epidemiologen und anderen Fachleuten alle Türen öffnen, alle Unterlagen aushändigen und sie mit allen Menschen zusammenbringen, die sachdienliche Hinweise geben können. Totale Transparenz wäre nötig. Danach sieht es nicht aus. China führt seine Politik der Verschleierung und Irreführung konsequent fort. ... Es steht zu befürchten, dass der Ursprung der verheerenden Corona-Pandemie in absehbarer Zukunft nicht ans Tageslicht kommen wird. Zum Schaden der Welt.“

Jutarnji list: Bedeutsame Wissenslücken bleiben
Chinas sture Haltung ist kontraproduktiv, kritisiert auch Kroatiens liberale Tageszeitung:

„Immer mehr Wissenschaftler, auch diejenigen, die vorher die Theorie abgelehnt hatten, dass das Virus unkontrolliert aus einem Labor in Wuhan entkommen sei, fordern eine Fortsetzung der Untersuchung. Ihr Ziel ist, wie sie sagen, Wissenslücken zu schließen und den Kampf gegen das Virus zusätzlich zu erleichtern. ... Peking ist unnachgiebig und wie die Dinge stehen, werden wir nicht herausfinden, was genau sich im Labor in Wuhan abgespielt hat. Der Bericht der WHO vom März schloss, dass das Virus wahrscheinlich von Fledermäusen auf den Menschen über andere Tiere übertragen wurde. ... Das Wort 'wahrscheinlich' ist wichtig, wie auch die Vermeidung eines vollständigen Ausschließens eines menschlichen Fehlers.“

Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/28.05.2021








Quelle: eurotopics Presseschau/bpb/ds/28.05.2021
 
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