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„wPOLITYCE.PL“: Unbewusster Antipolonismus. Drucken E-Mail
  Mit dem Slogan „Omas neue Polin“ wirbt eine deutsche Pflegevermittlung auf Bussen. Einzelne Politiker sehen darin eine Form von Rassismus. In einem Gespräch mit dem Internetportal wPolityce.pl bezieht der Historiker Profesor Bogdan Musiał Stellung zu dem kontroversen Werbeslogan.

Er zeige, so der Historiker, ein tief im deutschen Unterbewusstsein verankertes Überlegenheitsgefühl gegenüber Polen. Man diskutiere aktuell eingehend über Rassismus in der Bundesrepublik. Es gebe immer mehr Stimmen, die dazu aufrufen würden, die Einstellung zu Menschen mit dunkler Hautfarbe kritisch zu hinterfragen.

Im Grunde genommen sei es aber ein Ersatzthema in der Bundesrepublik. Der deutsche Rassismus sei anders als der amerikanische, englische oder insbesondere der belgische – die Belgier hätten doch Millionen dunkelhäutige Menschen auf dem Gewissen.

Der deutsche Rassismus sei traditionell vor allem gegen Länder des Ostens gerichtet, meint der Historiker. Polen nehme in diesem Kontext einen ganz besonderen Platz ein. Die Deutschen seien sich dessen aber überhaupt nicht bewusst. Sie würden das Problem überhaupt nicht sehen, weil es so tief verankert sei, sagt Professor Musiał.

In Deutschland habe es nie eine redliche Debatte über den Antipolonismus gegeben, man habe das Problem einfach verdrängt. Bis auf einzelne Gremien funktioniere dieses Thema in öffentlichen Debatten in der Bundesrepublik gar nicht. Deshalb seien auch solche Slogans, wie der obengenannte möglich.

Hätte jemand mit dem Spruch „Omas neuer Schwarzer/Afrikaner“ für seine Firma geworben, gäbe es sofort einen Riesenskandal. In dem Text „Omas neue Polin“ würden aber die meisten keine negative Intention erkennen. Sie hätten einfach keine Ahnung, dass es eben eine Form von Rassismus sei.
In vielen antipolnischen Kommentaren würde es übrigens alte Klischees geben, die besagen, dass die Polen primitiv, ungebildet, rassistisch und antisemitisch seien. Diese Vorstellungen seien einfach ein Teil der deutschen DNA, sagt Bogdan Musiał.

Diese Einstellung übe einen gewaltigen Einfluss auf das deutsch-polnische Zusammenleben in der Europäischen Union aus, fügt der Historiker hinzu. Viele Deutsche würden davon ausgehen, dass sich Berlin in den beiderseitigen Kontakten korrekt verhalte. Es herrsche die Überzeugung, dass Polen von der deutschen Nachbarschaft stark profitiere, und man den östlichen Nachbarn sehr väterlich behandle.

Deshalb sei es beinahe ein Skandal, wenn eine polnische Regierung Forderungen stelle und mit den Entscheidungen der Politiker in Berlin nicht immer übereinstimme. Es sei  halt die Einstellung einer Gesellschaft, die sich mit ihrer Vergangenheit nur teilweise auseinandergesetzt habe.

Man habe den Antisemitismus zwar verarbeitet, den Antipolonismus aber nicht, meint der Historiker, Professor Bogdan Musiał.

Quelle: PolskieRadio, Jakub Kukla vom 02.06.2021.
 
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