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Kuren in Masuren / Günstiges Preis-Leistungsverhältnis / Immer mehr Ärzte werben mit Angeboten in deutscher Sprache. 

Immer mehr Deutsche fahren zur Kur nach Polen. In vielen Kurorten - etwa an der Ostsee - kommen sogar 90 Prozent der Gäste aus Deutschland. Viele Hotels investieren derzeit kräftig in den Ausbau ihrer Kapazitäten.

Von Sebastian Becker


 
Beliebtes Ausflugsziel  für Kurgäste: Leuchtturm auf dem Fort Münde in Kolobrzeg.
 
„Wir können dank der Deutschen beruhigt schlafen", freut sich Anna Szelinger vom Kurhaus "Olymp" in der Ostseestadt Kolobrzeg (Kolberg). Die Sprecherin des Hotels hat tatsächlich allen Grund zur Freude - belegen die Gäste aus dem Nachbarland doch im Durchschnitt 150 der 180 Betten des Hauses und sorgen somit für stabile Einnahmen. Und das "Olymp" ist kein Einzelfall, der Trend beschäftigt derzeit auch die polnischen Medien.

"In manchen unserer Kurorten stammen bereits 90 Prozent der Gäste aus Deutschland. Sie stürmen regelrecht die Bäder", steht da in den Zeitungen. In den vergangenen vier Jahren sei das Interesse an Polen enorm gestiegen, und die Zuwächse hätten deutlich im zweistelligen Bereich gelegen , bestätigt Andreas Szöllösi von Team Reisewelten, einem privaten Touristik-Anbieter, der sich auf Kurreisen in diese Region spezialisiert hat.

Die Gründe dafür sind einfach: Polen liegt von den ostdeutschen Bundesländern nur einen Katzensprung entfernt, der Kur-Aufenthalt ist bis zur Hälfte günstiger im Vergleich zu Deutschland, und die deutschen Krankenkassen übernehmen teilweise auch die Kosten. "Nach der Genehmigung einer Behandlung durch die Kasse kann ein Patient auch Leistungen im Ausland in Anspruch nehmen," heißt es in schönstem Amtsdeutsch aus der Zentrale des Bundesverbandes der AOK in Bonn.

Das gilt auch für eine Kur in Polen. "Bezahlt wird allerdings nicht mehr, als die Behandlung in Deutschland kosten würde und auch nicht mehr, als sie tatsächlich gekostet hat - minus einer Verwaltungspauschale", heißt es bei der AOK.

Die Politiker beider Staaten dürften sich angesichts dieser Fakten die Augen reiben. Und gleich zweimal hinhören, wenn in polnischen Kurhäuser die Deutschen gelobt werden. Streiten sich die Politiker beider Länder doch ständig über die geplante deutsch-russische Gaspipeline durch die Ostsee. Polen fürchtet, von den beiden großen Nachbarn, wie schon so oft in der Geschichte, übervorteilt zu werden. Ein weiterer emotionaler Dauerbrenner sind auch die Entschädigungsansprüche, die die deutsche Vertriebenenfunktionärin Erika Steinbach an Polen gestellt hat.

Was die Vertreter beider Länder nicht vermögen - nämlich unverkrampft miteinander umzugehen - können die polnischen Kurhäuser und die deutschen Gäste umso besser. Beispielsweise ist in der niederschlesischen Stadt Polanica Zdroj (Bad Altheide) die komplette Infrastruktur auf die deutschen Gäste abgestimmt.

Die Kurhäuser bieten ihre Dienstleistungen allesamt zweisprachig an - und darüber hinaus werben die Apotheke, der Frisör und die Restaurants für ihre Angebote in deutscher Sprache. Auch die Kurärzte sind des Deutschen mächtig - ein Fakt, der für die Patienten oft besonders wichtig ist.

"Darüber hinaus registrieren wir immer mehr Gäste, die aus Familien stammen, die vertrieben wurden", berichtet Szöllösi. Diese Kurgäste seien meist in den dreißiger und vierziger Jahren geboren worden. "Sie wollen sich nun verstärkt in den alten ostdeutschen Gebieten wie Masuren oder Niederschlesien erholen," sagt er. Eben dort, wo ihre familiären Wurzeln lägen.

Für die polnischen Kurorte ist das kein Problem. Sie versuchen immer mehr der steigenden Nachfrage nachzukommen und investieren kräftig in den Ausbau ihrer Kapazitäten. "Wir wollen insgesamt 600 Gäste auf einmal bedienen können", sagt der Direktor des Hotels Baltyk in Kolobrzeg (Kolberg) an der Ostsee, Marcin Zdunek. Der Ort am Meer ist ein beliebtes Ziel. Doch sei die Nachfrage sogar noch größer. "Wenn wir die Möglichkeiten hätten, könnten es sogar bis zu 1000 sein", schätzt der Manager weiter.

Der Ansturm der Deutschen macht sich bereits jetzt schon in den Bilanzen der Sanatorien bemerkbar: Die Kurhäuser haben im vergangenen Jahr insgesamt Gewinne von umgerechnet knapp 550 000 Euro erwirtschaftet, wie die nationale Vereinigung der Kurbäder "Stowarzyszenie Gmin Uzdrowiskowych" festgestellt hat. Der Großteil von 75 Prozent gehe auf "kommerziellen Kunden" zurück - das sind Gäste, die keine Unterstützungsleistungen vom polnischen staatlichen Gesundheitsfonds NFZ bekommen.

Darunter sind viele Ausländer - und eben auch viele Deutsche. Sie sorgen mit ihren Aufenthalten für steigende Einnahmen der Kurbäder. Das politische Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist zwar mitunter schwierig, doch wenn es um den Gesundheitsmarkt geht, siegt der wirtschaftliche Pragmatismus

Ärtze Zeitung, 5.7.2006

 
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