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Norbert Rasch neuer Vorsitzender der Deutschen in Schlesien Drucken E-Mail

Die deutsche Minderheit im polnischen Schlesien setzt auf einen Generationswechsel. Der 37-jährige Lokalpolitiker Norbert Rasch wurde am Samstag überraschend zum Vorsitzenden der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien gewählt. Auf einer Versammlung in Glogowek (Oberglogau) erhielt er 69 von 130 Stimmen. Rasch setzte sich gegen Ryszard Galla durch. Der 51- Jährige, der als einziger deutscher Abgeordneter im polnischen Unterhaus (Sejm) in Warschau sitzt, war vom bisherigen Vorsitzenden, Henryk Kroll, unterstützt worden.

Schon lange hatte es  rumort an der Basis, eine Gruppe jüngerer Aktivistinnen warf dem Vorstand undemokratischen Führungsstil und mangelnde Deutschkenntnisse vor. Die Demokratie im Verband sei eine Fiktion, kritisierte  Ewa Czeczor von der Ortsgruppe in Raszowa. "Wir befinden uns auf dem direkten Weg in den Abgrund", sagte die 29-Jährige. Nur noch rund 45 000 Mitglieder zahlten Beiträge, hieß es. Anfang der 90er Jahre hätte die Mitgliederzahl um 170 000 betragen.1991 hatte die deutsche Minderheit acht Abgeordnetenmandate und einen Sitz in der zweiten Kammer (Senat) errungen, heute nur noch ein Sejm-Mandat.

Das Oppelner Schlesien ist das größte Siedlungsgebiet der deutschen Minderheit in Mittel- und Osteuropa. Dort wohnen die meisten der rund 300 000 Deutschstämmigen.

Norbert Rasch, Germanist und zweifacher Vater, tritt für eine radikale Erneuerung des Verbandes ein und wurde vor allem von jüngeren Delegierten unterstützt. Er versprach, die Organisation zu "entpolitisieren" und sich mehr um die deutsche Sprache und Kultur zu kümmern. Als wichtige Aufgabe bezeichnete er die Einführung zweisprachiger Ortsschilder.

Bis zur demokratischen Wende von 1989 konnte sich die deutsche Minderheit in Polen nicht organisieren. Erst danach hatten Henryk Kroll und sein Vater Johann Schritt für Schritt die Strukturen aufgebaut. Henryk Kroll leitete den Oppelner Verband seit 1991. Wegen der zunehmenden  Kritik an seinem Führungsstil legte der 59-jährige Tierarzt schließlich  das Amt nieder. Er behält allerdings den Vorsitz der Dachorganisation aller deutschen Gesellschaften.

Schlesisches Wochenblatt/Polskie Radio/ds/30.04.2008

 
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