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Katowice erhält Museum im Untergrund Drucken E-Mail

Im kommenden Jahr wird im Zentrum von Katowice (Kattowitz) eine riesige Baustelle entstehen. Dort lässt das Grazer Architektenbüro "Riegler Riewe" in die Tiefe buddeln, eine alte Zechenanlage öffnen, entkernen und  neu gestalten. 2011 soll alles fertig sein, und dann können die Besucher das neue Schlesische Museum besichtigen. Unter Tage. Im Juni 2007 hatten sich  die Österreicher mit ihrem Entwurf gegen 58 internationale Mitbewerber durchgesetzt. Auf 56,7 Millionen Euro sind die Baukosten veranschlagt, die zu 60 Prozent mit EU-Mitteln finanziert werden.

Vor 69 Jahren hatte es zwei schlesische Museen gegeben. Das eine im damaligen deutschen Teil Schlesiens stammte aus dem 19. Jahrhundert und präsentierte sich in  preußisch - klassizistischer  Architektur. Dem setzten die Polen, die den deutschen Stil ablehnten, ein architektonisches Glanzstück der Moderne entgegen. Das achtgeschossige Gebäude präsentierte sich mit einer Hinterfront, die einem stilisierten fliegenden Adler glich. Doch wenige Tage nach seiner Fertigstellung überfiel die deutsche Wehrmacht Polen und legte das Museum in Schutt und Asche. In der Nachkriegszeit verfolgten die Kommunisten den Plan, Katowice zu einer Vorzeigestadt neu aufzubauen. Stalin persönlich übernahm die Patenschaft. Aus Katowice wurde 1953  „Stalingrod“ (Stalinstadt), 1956 wieder Katowice. Ganze Straßenzüge noch erhaltener Gründerzeitgebäude wurden platt gemacht für Plattenbauten.

Heute hat sich wieder Glas und Stahl in das Bild der Stadt gemischt. An die einstige Stahl- und Kohlestadt erinnert nur noch wenig, Kattowitz hat sich ein neues Image zugelegt – als kulturelle und akademische Metropole Oberschlesiens. Und als „Grüne Stadt“: 60 Prozent der Stadtfläche bilden Parks, Grünflächen und Wälder.

Nun also geht es in die Tiefe, bis zu 12 Meter. Auf zwei Geschossen, die über zwei ineinander verschlungene Rampen erreichbar sind, sollen die ständige Sammlung mit rund 75.000 Exponaten (ethnologische und archäologische sowie Kunstobjekte) und temporäre Ausstellungen gezeigt werden. Ein großer Spiegel wird das Tageslicht in den Untergrund reflektieren, für die Beheizung wird warmes Wasser aus den Tiefen der Zeche heraufgepumpt. Der alte Förderturm wird restauriert und bekommt einen Lift, damit  die Besucher  von ganz oben das 30.000 Quadratmeter große Museumsgelände überschauen können.

Ansichten der Entwürfe:www.rieglerriewe.co.at/projects/ec_kato/0.html

rieglerriewe/ds/12.05.2008

 
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