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Polen streitet um Köpfe auf künftige Euro-Münzen Drucken E-Mail

Papst Johannes Paul II., König Boleslaw oder Freiheitsheld Walesa? Erst 2011 kommt das neue Geld, erregt aber schon jetzt die Gemüter. In einem Punkt sind sich die Polen einig: Das Konterfei des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. muss unbedingt auf einer der Euro-Münzen prangen, die im Jahr 2011 eingeführt werden sollen. Danach aber hat die Harmonie ein Ende und es beginnt der Streit darüber, wer oder was auf dem neuen Geld abgebildet sein soll, worauf Europa  stolz sein soll - dank Polen.

Könige und andere Helden im Angebot

Die Liste ist lang: Mieszko I. soll darauf sein, Ende des ersten Jahrtausends der nachweisbar erste Fürst der Polanen und damit Vater aller Polen. Dessen Sohn Boleslaw wird der Tapfere  genannt, der erste König von Polen. Der in Polen geborene Astronom Nikolaus Kopernikus ist einer der Favoriten, ebenso wie die Physikerin Maria Sklodowska, besser bekannt unter dem Namen Marie Curie.

Aber auch der Name Lech Walesa wird ins Spiel gebracht. Da der ehemalige Held der Gewerkschaft Solidarnosc der einzige aller potentiellen Kandidaten ist, der noch unter den Lebenden weilt, hat er sich auch sofort zu Wort gemeldet. Natürlich sei er bereit, dass sein Anlitz eine der Euro-Münzen ziere, ließ Walesa seiner Eitelkeit freien Lauf. Allerdings habe er eine Einschränkung zu machen. „Mein Kopf sollte auf einem Geldstück von höherem Wert abgebildet sein“, erklärte der ehemalige Staatspräsident Polens ganz unbescheiden. Die kleinen Münzen seien doch nur Wechselgeld, und dafür ist sich der ehemalige Freiheitskämpfer offenbar zu schade.

Für diese Sätze hatten Walesas zahlreiche Kritiker und politischen Gegner in Polen allerdings nur beißenden Spott übrig. Erst einmal müsse zweifelsfrei geklärt werden, ob der Friedensnobelpreisträger kein Spitzel des kommunistischen Regimes gewesen ist – ein Vorwurf, der ihm seit Jahrzehnte harnäckig anhängt.

Doch ist der Streit über die Gestaltung der Münzen reichlich verfrüht, gilt es vorher doch noch einige grundsätzliche Fragen zu klären. 2011 soll der Euro eingeführt werden, erklärte jüngst Premier Donald Tusk und verblüffte damit Freund und Feind. Inzwischen wird deutlich, dass Tusk wohl den zweiten vor dem ersten Schritt getan hat. Erst nach seiner Ankündigung setzte sich der Regierungschef mit der Spitze der polnischen Zentralbank zusammen, um die Marschroute für die Umsetzung des Plans auszuarbeiten.

Mitte Oktober soll eine lange Liste der gewaltigen Herausforderungen veröffentlicht werden. So muss die Inflationsrate reduziert werden, die mit rund vier Prozent deutlich über dem von Brüssel vorgegebenen Grenzwert liegt. Fraglich ist, ob Polen das Defizitkriterium für den Staatshaushalt von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) einhalten kann. Dafür müssten das Rentensystem und der Gesundheitssektor grundsätzlich reformiert werden – zwei Bereiche, in die der Staat jedes Jahr kaum vorstellbare Summen von Geld zuschießen muss.

Änderung der Verfassung

Und schließlich muss noch die polnische Verfassung geändert werden, da bisher allein die Nationalbank in Warschau das Recht hat, Geld auszugeben. Dafür wäre aber in Zukunft die Europäische Zentralbank zuständig.

Angesichts dieser Hindernisse halten Kritiker eine Euro-Einführung erst im Jahr 2013 oder noch später für wahrscheinlich. Die Polen haben also noch genügend Zeit, sich um die Illustration der Münzen zu kümmern.

Knut Krohn, sz-online/ds/26.09.2008

 
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