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Gebetsbücher statt Strafmandat für Verkehrssünder.

Zahlreiche Verkehrssünder auf Polens Straßen sind am 25. Juli glimpflich davon gekommen: Wer im Auto nicht angeschnallt ertappt wurde oder einen anderen geringfügigen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung beging, bekam statt eines Strafmandats ein Gebetbüchlein und ein Flugblatt mit Regeln für Rücksicht am Steuer.

Priester begleiteten Verkehrspolizisten, um an das Gewissen der Verkehrssünder zu appellieren, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. In Polen war der Namenstag des heiligen Christophorus, der als Schutzpatron der Reisenden und Berufskraftfahrer verehrt wird, landesweit zum "Tag des sicheren Autofahrers" ausgerufen worden. Wer bei Rot über die Ampel fuhr oder die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritt, konnte allerdings trotz des Heiligen und Reuebekundungen nicht auf Gnade zählen.

Christuskindträger Christophorus
Gemälde von Dierick Bouts, 1467.

Glaubenssichere Katholiken dürfte überrascht haben, dass sich Priester für Christophorus in den Verkehr begeben haben, denn schon lange hat ihn die katholische Kirche aus der Liste der kanonischen Heiligen gestrichen. Zu unglaubwürdig gelten ihr die Legenden, die sich zum Heiligenkranz gewunden haben. Kurz: Christophorus soll riesig groß und erschreckend hässlich gewesen sein. Seine Riesengestalt habe es ihm aber ermöglicht, Menschen über den Fluss zu tragen. Irgendwann sei ihm auch Jesus als Kind erschienen und auf seinen Schultern sicher ans andere Ufer gelangt. Ein Motiv, das die Künstler des Mittelalters derart eindrucksvoll verklärten,
dass bald an  zahlreichen Gebäuden und Kirchen riesige Christophorus-Bildnisse angebracht wurden. Gläubige führen bis heute Bilder des Schutzpatron für Reisende im Fahrzeug mit. Obwohl, wie gesagt, die katholische Kirche  ihrem Christophorus schon lange nicht über den Weg traut.
ds/2.8.2006

 
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