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Polens Modehersteller haben Deutschland entdeckt. Drucken E-Mail

Nach beachtlichen Erfolgen in Berlin rückt nun Hamburg ins Fadenkreuz der polnischen Modehersteller.  Nicht mit Designer-Schickimicki, sondern mit Qualität will man sich präsentieren - auch in eigenen Boutiquen. Der deutschen Beklei-dungsbranche steht ein verschärfter Wettbewerb ins Haus.

Oliver Kresse hat einen Albtraum: Schlampige Nähte. Darum läßt der Hamburger Edel-Schneider seine Hemden in Polen nähen. Nur dort, nirgendwo sonst. Kresse weiß: "Polnische Näherinnen sind zwar die teuersten", sagt er, "aber auch die besten." Jetzt bekommt Kresse Konkurrenz. Es sind keine Luxus-Marken, keine Edel-Designer, sondern kleine Boutiquen für Hemden und Blusen. Sie kommen aus Polen.

Polnische Modefirmen haben Deutschland entdeckt. Sie kommen mit eigenen Läden und eigenen Marken. Über Berlin versuchen sie in Deutschland Fuß zu fassen. Jetzt ist Hamburg an der Reihe, als zweite Stadt in der Republik.

Im Herbst, wenn die Europa-Passage eröffnet, wird die erste polnische Mode-Boutique in Hamburg starten: WLC, ein Spezialist für Hemden der mittleren Preisklasse. WLC ist die deutsche Tochter von Polens größtem Hersteller von Hemden und Blusen, Wolczanka aus Lodz. Ende letzten Jahre wurde die Deutschland-Tochter in Berlin gegründet, gerade hat Deutschland-Chefin Ella Szczurek den Mietvertrag für die Europa-Passage unterschrieben. Es ist das dritte Geschäft in Deutschland, nach zwei Shops in Berlin.

Nach WLC plant auch die Modefirma Diverse eine Boutique in Hamburg. Auch Diverse betreibt mehrere Geschäfte in Berlin, vor allem T-Shirts, Schuhe und Hosen werden dort verkauft, die Preise sind ähnlich wie bei H&M.

"Unter den polnischen Herstellern sind viele interessante Anbieter, die sich aus einstigen Lohnfertigern entwickelt haben und in Osteuropa längst etabliert sind", sagt Stefan Heerde von Engel & Völkers, "sie werden auch in Deutschland Nischen erschließen."
Die Modehersteller in Polen haben vor allem einen Grund für ihre Expansion in den Westen: Nach der Osterweiterung ist auch für sie der Wettbewerb schärfer geworden. Als billige Textilfabrik taugt das junge EU-Mitglied inzwischen nicht mehr, das Land ist zu teuer geworden im Vergleich mit Bulgarien, Rumänien und erst recht mit Asien. Deshalb versuchen polnische Firmen mehr und mehr eigene Marken auf den Markt zu bringen - und zwar europaweit.

In Hamburg treffen die Modefirmen allerdings auf einen schwierigen Markt. "Nirgendwo sonst gibt es so viele verschiedene Anbieter", sagt René Reichert, der bei der Handelskammer Hamburg den Einzelhandel betreut, "der Wettbewerb ist schon enorm."
Doch die polnische Mode-Industrie genießt hierzulande einen hervorragenden Ruf, da ist Oliver Kresse keine Ausnahme. "Sie schneidern gute Hemden zu unschlagbaren Preisen", so heißt es in der Hamburger Mode-Branche, "zwar teurer als die Italiener, weil die in China fertigen lassen, aber dafür ist die Qualität besser."

Auch Agnieszka Koszka ist zuversichtlich, daß die Polen sich in Hamburg gut schlagen werden. "Die Firmen sind meistens sehr erfolgreich", sagt sie. Koszka ist Beraterin der polnischen Industrie- und Handelskammer für den deutschen Markt. Sie hat seit der Ost-Erweiterung den Weg der polnischen Modefirmen über die Grenze beobachtet. Sie glaubt: "Polnische Firmen sind in Deutschland inzwischen so erfolgreich wie die Deutschen in Polen."

DIE WELT/23.5.2006

 
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