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Jugend-Exodus aus Polen Drucken E-Mail

Hunderttausende suchen Arbeit im Ausland. Mit dem Slogan "Die Wirtschaft,Premier!erinnert Polens führende Wirtschaftszeitung Puls Biznesuan den Präsidentschafts-wahlkampf Bill Clintons von 1992. So wie in den USA zu rufen: "Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!", würde derzeit kaum ein Journalist in Polen wagen. Wie ein Damokles-Schwert hängt die stete Gefahr einer Beleidigungsklage aus dem Regierungsamt.

"Wir wissen, dass Wirtschaftsfragen nicht gerade zur stärksten Seite von Jaroslaw Kaczyñski gehören", schreibt Puls Biznesudaher vorsichtig, listet aber dringliche Aufgaben für den designierten Premier auf: Begrenzung des Budgetdefizits, keine Steuererhöhun-gen,Senkung der Lohnnebenkosten, Festlegung eines Datums für den Beitritt zur Euro-Zone. Und, ganz wichtig, das Klima für ausländische Investoren müsse gut sein: "Wenn Polen Signale aussendet, dass die liberalen Reformen nicht fortgeführt werden, wird dieser Geldregen woanders niedergehen und auch die Arbeitsplätze werden woanders entstehen."
Vor allem die oppositionelle liberale Bürgerplattform (PO) fordert immer wieder lautstark: "Wir brauchen mehr Arbeitsplätze! Unsere ganze Jugend emigriert! "Tatsächlich ist das Polens Hauptproblem. Immer mehr junge, oft gut ausgebildete Polen stimmen mit den Füßen ab und verlassen das Land. Fehlende Perspektiven, politischer Dauerknatsch und eine verbreitete neue Spießbürgermoral sprechen für das Ticket nach London, Berlin oder Dublin. Mehr als zwei Millionen Polen sollen in den letzten Jahren ausgewandert sein.

Gabriele Lesser aus Warschau/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 07. 2006)

 
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