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Trügerische Arbeitslosenqote Drucken E-Mail

Im Vergleich Januar 2004 zu Januar 2005 ist die Arbeitslosenquote von 20.4 auf 17.8 Prozent gesunken. Damit ist sie zwar immer noch die höchste der EU, doch für die Regierung der Beweis, dass die Richtung stimmt, dass ihre Maßnahmen am Arbeitsmarkt die Wende eingeläutet hätten. Die Kritiker sprechen von einer Mogelstatistik, denn Hunderttausende Arbeitslose seien abgewandert – ins Ausland. Und hätten dem Arbeitsmarkt ein Kuriosum beschert, dass sich tagtäglich in den Stellenanzeigen lesen lässt: Im EU-Land mit der höchsten Arbeitslosenquote werden Arbeitskräfte „Dringend gesucht“.

Informatiker und Banker fehlen

Am meisten gesucht werden Informatiker und Finanzexperten, aber auch Arbeiter aus der Baubranche wie Schweisser, Klempner oder Maurer. Verantwortlich dafür sind vor allem die ausländischen Investoren: In Polen wird rege gebaut. Weil immer mehr Ausländer ins Land kommen, sind auch Übersetzer begehrt.

Wegen der grossen Nachfrage werden vielerorts schon die Arbeitskräfte knapp. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wird härter. «Derzeit finden die Firmen zwar noch jeden Fachmann, den sie suchen», sagt Pawel Panczyj, Chef der Breslauer Entwicklungs-agentur. Es sei jedoch schwierig, die Arbeitnehmer an den Arbeitsplatz zu binden. «Viele verlassen schon nach einigen Monaten ihren Arbeitgeber und wandern nach Grossbritannien oder Spanien ab.»

Polen nach Hause holen

«Wenn es weiter so geht, werden unsere Baustellen bald still stehen», sagt Andrzej Sadowski vom liberalen Adam-Smith-Zentrum in Warschau. «Der Import von Facharbeitern aus dem Osten wird das Problem nicht lösen: Sie kennen die in Polen benutzten Technologien nicht.» In Polen werden deshalb verschiedene Massnahmen ergriffen, um die Abwanderung der Arbeitskräfte zu bremsen und einem Arbeitskräftemangel vorzubeugen. So richtet sich die Stadt Breslau mit einer Werbekampagne an Polen, die nach Gross-britannien oder Irland ausgewandert sind. Mit grossen Werbepostern und Zeitungsinse-raten sollen sie zur Heimkehr aufgerufen werden. Ganz chancenlos sind die Bemühungen  nicht. Oft verdienen die polnischen Arbeitskräfte in London oder Dublin den polnischen Mindestlohn oder sogar noch weniger.

ds/28.7.2006

 
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