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Radio Maryja nervt Benedikt XVI. Drucken E-Mail

Anhänger der polnischen Rundfunkstation "Radio Maryja" haben Papst Benedikt XVI. beschuldigt, treibende Kraft hinter der Kritik des Vatikans zu sein, wonach der Sender recht unverhohlen Fremdenhass, Chauvinismus und Antisemitismus predige.

       

Der Vatikan hatte die polnischen Bischöfe und den Obersten des Redemptoristenordens, dem die Station formal gehört, zu einer Kontrolle des Senders aufgerufen. Mit der diplomatisch formulierten Vatikan-Note werden Berichterstattungen und Kommentare des Senders gerügt, die unverhohlen Fremdenhass, Chauvinismus und Antisemitismus predigten.

Radio Maryja steht der rechtskonservativen Regierungspartei PiS und einem fundamentalistischen Katholizismus nahe. Er bringe mit politischer Parteinahme und antisemitischen Programminhalten die Kirche in Misskredit, hieß es aus dem Vatikan.

Als Reaktion auf zahlreiche Klagen über den Sender gründeten dessen Anhänger nun einen "unabhängigen" Ethikrat. Dessen Vorsitzender Boguslaw Wolniewicz sagte am Mittwoch: "Das Dritte Reich hat den Deutschen das moralische Rückgrat genommen, und das ist ihnen bis heute nicht wieder gewachsen." Radio Maryja breche das "Monopol der linken Medien in Polen" und das Tabu, dass über Juden nichts Schlechtes gesagt werden dürfe, behauptete Wolniewicz. Wenn nun der Vatikan das Wort gegen den Sender ergreife, trage der Papst als Deutscher Schuld: "Niemand auf der Welt fürchtet sich so, Antisemit genannt zu werden, wie die Deutschen."

Gute Verbindungen zur Regierungspartei PiS

Der 1991 von dem katholischen Priester Tadeusz Rydzyk gegründete Radiosender hat nach eigenen Angaben drei Millionen Hörer in Polen; das Programm wird auch von Lokalsendern in den Vereinigten Staaten und Kanada verbreitet. Es besteht zum Teil aus Gebeten, der Rest des Programms ist allerdings von ultra-katholischen, nationalistischen und oftmals judenfeindlichen Ansichten geprägt. Bei den Wahlen vom Herbst 2005 hatte der Sender offen zur Abstimmung für die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz aufgerufen. Politiker der PiS geben Radio Maryja gerne Exklusivinterviews.

Marek Edelman, der letzte überlebende Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto, hatte in einem Brief an den Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz Radio Maryja "Fremdenhass, Chauvinismus und Antisemitismus" vorgeworfen. Marcinkiewicz blieb eine regierungsamtliche Stellungnahme erspart. Als jüngstes Bauernopfer der  Kaczynski - Zwillinge wurde er zum zukünftigen Bürgermeister von Warschau weggelobt.

Quelle: Malgorzata Zdiechowska,Berlin.
© 2006 Financial Times Deutschland/ ds

 
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